Die erste Arbeitswoche ist überstanden, der Alltag hat viele bereits wieder fest im Griff. Alte Laster sind abgeschafft, neue sind hinzugekommen (wenn zwei Fotos innerhalb von sieben Tagen den Fernseher und dieselbe Serie zeigen, ist Suchtverhalten leicht zu diagnostizieren). Einige Neujahrsvorsätze werden mehr oder weniger gewahrt (man kann sie nicht brechen, weil man vorher noch eine neue Folge sehen muss), während andere schon wieder gebrochen sind (man kann beispielsweise nicht zum Sport gehen, weil man unbedingt noch eine neue Folge sehen muss). Wenn die Adaptionsphase also abgeschlossen ist (nach 13 Folgen kehrt schließlich wieder die Normalität ein), stellt sich die Frage: Wie wird also dieses 2016?

 

Kauf Dich glücklich?!

Die Wirtschaft hat hierauf eine ganz einfache Antwort: Erst einmal Winterschlussverkauf, dann sehen wir weiter. Statt Fernsehserien kennt sie ihren eigenen Weg, die Leute zu Beginn des Jahres entgegen aller Vorsätze wie aufgescheuchte Hühner umherirren zu lassen – genau das, was sie sich nach den stressigen Weihnachtseinkäufen geschworen hatten, nicht mehr zu tun. Drastische Preissenkungen versprechen, sich endlich das kaufen zu können, was man sich vorher nicht leisten konnte.

Was in den Vereinigten Staaten beim Black Friday erschreckende Züge annehmen kann, spielt sich in den heimischen Gefilden in abgemilderter Form gleich zwei Wochen ab. Die euphorische Idee, sich wieder günstig glücklich kaufen zu können, infiziert die Konsumenten wie ein hochansteckender Virus. Das beruht natürlich mindestens zum Teil auf dem Umstand, dass viele Leute einfach nicht die gewünschten finanziellen Mittel zur Verfügung haben, um sich auch außerhalb des Sales jene Produkte zu gönnen, die sie brauchen oder wollen. Ein Großteil leidet auf hohem Niveau, aber dennoch: Wären wir denn glücklicher, hätten wir mehr Geld?

Geld macht nicht glücklich! – Doch, tut es! Das ist nur eine Lüge, die wir den Armen erzählen, damit sie nicht rebellieren! (Desperate Housewives)

Wahrheiten findet man oft an unerwarteten Orten: Auch wenn sich die Autoren der Serie „Desperate Housewives“ beim Schreiben dieser Zeilen wohl vermutlich nicht auf ein wissenschaftliches Fundament gestützt haben, so haben sie dennoch Recht. Zumindest halb: Schon vor einigen Jahren wies die Universität Princeton darauf hin, dass das Glücksgefühl zumindest bis zu einem Jahreseinkommen von 75.000,00 $ ansteigt. 2014 wurde dies vom Wirtschaftsmagazin Business Insider bereits auf 83.000,00 $ korrigiert.

Auch wenn die Beträge dieser Studie auf die USA und deren Lebenserhaltungskosten bezogen ist, so ist das Prinzip dahinter allgemeingültig zu verstehen: Bis zu einem gewissen Limit spielt Geld eine wichtige Rolle. Je nachdem, wie weit man nach unten hin von diesem Limit entfernt ist, beeinträchtigt die finanzielle Begrenzung das Glücksempfinden. Dies ist natürlich stufenweise zu betrachten: Die Sorge, sich kein zweites Auto kaufen zu können, ist nicht in selben Maße belastend wie die Sorge, sich kein Essen für den nächsten Tag leisten zu können.

Oder andersrum gesagt: Je mehr Geld man hat, desto weniger Gefahren ist man ausgesetzt, welche einem das Leben schwer machen könnten. Eine Kündigung muss keinen Wohnungsverlust oder keine Verarmung zur Folge haben, eine Scheidungen oder ein Kinderwunsch muss keine finanziellen Krise hervorrufen und im alltäglichen Leben muss kein Cent zweimal umgedreht werden. Indem sofortige, (lebens-)bedrohliche Konsequenzen aller möglichen Ereignisse außer Krankheiten oder Unfälle durch finanzielle Absicherung gemildert werden, wird das Leben leichter und man hat mehr Zeit, sich unbeschwert um das zu kümmern, was man will.

Ab dem Erreichen dieser Schwelle wird man natürlich dann auch keinesfalls unglücklicher. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die nun alle leicht zu erlangenen Produkte an ideellem Wert verlieren, weil sie inflationär konsumiert werden. Doch das Polster auf dem Bankkonto schafft nach wie vor Sicherheit und Ruhe – hier gilt: Je mehr, desto besser.

 

Geld allein macht nicht glücklich

„All the things I could do if I had a little money“ sangen schon ABBA in ihrem Hit „Money, Money, Money“. Hoffentlich haben sie es sich gut überlegt – nicht nur, weil sie eine der erfolgreichsten Band aller Zeiten geworden sind und Millionen nach Hause gebracht haben.

„All the things I could do –
if I had a little money…“ (ABBA)

Einige Forscher sagen, es komme nicht nur auf die Quantität des Geldes an, sondern vor allem darauf, was man daraus macht. Es wird konkret auf den Unterschied zwischen dem Anlegen und Sparen im Vergleich zur Investition in Reisen oder andere Erlebnisse genannt. Die Vorfreude auf ein Erlebnis ist meist größer als jene auf finanzielle Vorteile, so der Psychologe Amit Kumar.

Wir lernen also daraus:

  1. Geld macht glücklich
  2. Aber nur, wenn man es auch richtig einsetzt

Nun, beim ersten Punkt werden wohl vielen Leuten bereits die Tränen kommen; das hätten sie wohl auch ohne Studie vermutet – und diese ändert nichts an ihrem Einkommen. Daher sollte man sich mehr auf den zweiten Punkt konzentrieren. Statt wie  auf der Bestenliste der Neujahresvorsätze „sparsamer sein“ zu wollen, sollte man wohl besser formulieren: „Geld bewusster ausgeben“.

 

Glücksmaximisierung mit Hilfe von bedachten Ausgaben?

Abgesehen von der nur schwer kalkulierbaren Option, dieses Jahr einfach reich zu werden, bleibt uns nun, dieser wichtigen Frage auf dem Grund zu gehen. Man muss sich zuerst über seine eigene Finanzstruktur im Klaren sein: Nur wer sein Ausgabeverhalten kennt, der kann es optimieren. Zu wissen, dass Geld glücklich macht, hilft alleine nicht weiter, wenn man die eigenen Dimensionen seines potentiellen persönlichen Finanzglücks nicht anaysiert.

Mithilfe des Smartphones kann man dank zahlreichen Applikationen alle Ausgaben problemlos zum Zeitpunkt der Tätigung aufzeichnen. Viele Banken geben einem zudem im persönlichen Onlinebereich eine gute Übersicht der festen Ausgaben wie Miete, laufenden Daueraufträgen oder Einzugsberechtigungen. Eine komplette Übersicht seiner Ausgaben zu bekommen, ist demnach nicht schwer.

Verschwendung vermeiden, um mehr an richtiger Stelle investieren zu können, ist die Devise. Oftmals wird unbewusst viel Geld unnütz ausgegeben. Die Vermeidung gewisser Posten wäre nicht mit einer Einbuße an Lebensqualität, sondern lediglich mit einer kleinen Umstellung verbunden. Auch wenn geringe Einsparungen an wenigen Punkten noch keinen Porsche oder die erhoffte Weltreise finanzieren – die Summe kann je nach Quantität der Einsparungen und der Periode, während der man diese kontinuierlich aufrecht erhält, unter Umständen durchaus ein Lächeln auf Ihr Gesicht zaubern. Wenn Sie gut kalkuliert haben, können Sie sich eventuell früher etwas Schönes leisten, als Sie denken.

Ein glückliches Jahr ist nicht selten ein erlebnisreiches Jahr. Ein solches muss auch nicht immer den Geldbeutel belasten! Gemessen an der Happy Days Aktion – dokumentiert auf der seinsart Instagram Seite – gab es diese Woche nur einen kostspieligen Glücksmoment: den Cirque du Soleil. Alle weiteren Momente sind in guter Gesellschaft kreiert worden oder zufällig aufgekommen: gut und preisgünstig. Klingt ein bisschen wie Winterschlussverkauf, ist aber viel besser…

 

Bild: lannyboy89

 

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Written by Alexander Frühbrodt

Alexander Frühbrodt arbeitete nach seinem Medienstudium für internationale Filmproduktionen. Der Marketingbeauftragte von seinsart schreibt als freier Autor über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

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