Als ich nun schon bereit war, Eva Kanis einfach zu glauben und mich auf die Techniken der Magnet-Akquise einzustellen (siehe unten!), stieß ich zufällig auf eine wunderbare Erklärung für den weiblichen Magnetismus, nämlich das Tao des Yin und Yang. Hierbei handelt es sich, dem chinesischem Denken zufolge, um eine Durchdringung und gegenseitige Bedingung des weiblichen und männlichen Pols. Yin steht für die weibliche, Yang für die männliche Kraft.

YANG (männliche Kraft):
Himmel, Sonne, aktiv, Führen, Wachen, Reden, Handeln, Gehen (zielgerichtet), Singen, Tun,Tag, Frühjahr und Sommer, positiv, warm, ausdehnend, schnell, trocken, hoch, weit, rechts, hell; am Körper: Kopf, Obere Extremitäten…

YIN (weibliche Kraft):
Erde, Mond, passiv, Nachfolgen, Schlafen, Ruhen, Essen, Trinken, Zuhören, Meditieren, Aufnehmen, Spazieren (ohne Ziel zur Erbauung), Nacht, Herbst und Winter, negativ, kalt, zusammenziehend, langsam, feucht, niedrig, nah, links, dunkel; am Körper: Füße, untere Extremitäten…

Unser Thema, die Magnetkraft der Frauen, findet sich im Kreislauf von Yin und Yang wieder, wo es, analog zur Fortpflanzung, heißt: Yang beginnt und gibt (Sperma), Yin empfängt (wird schwanger). Yin transformiert das Empfangene (Baby) und gibt dann. Nun empfängt Yang. Das klingt wie die Definition von Wechselstrom im Magnetismus!
Im alten China machten sich Kaiser Sorgen um ihre männliche Lebenskraft (Yang) und wollten sie mit weiblicher Yin-Energie aufladen.

Im Klassiker des „tiefgründigen Mädchens“ (Xuan Nü) heißt es: Alles was sich zwischen Himmel und Erde bewegt, kommt aus Yin und Yang. Das Yang kann sich wandeln, wenn es Yin
 erlangt. Das Yin kann erfüllt werden, wenn es das Yang erlangt. Yin und Yang benötigen 
einander, um sich zu beleben. 

Yin und Yang müssen sich
 gegenseitig spüren und erregen. Yang ohne Yin ist freudlos, Yin ohne Yang bleibt unerregt.


Hier hielt ich endlich ein brauchbares Modell in Händen, um den unterschiedlichen aber gleichwertigen Auftritt vieler Frauen und Männer im beruflichen Kontext zu verstehen. Die meisten Männer lieben es, auf dem Weg in die Selbstständigkeit ihre Yangkraft zu stärken, also zielgerichtet, schnell, klar und dominant aufzutreten, während viele Frauen lieber auf ihre Yinkraft vertrauen und ruhig, langsam, nah, geerdet und scheinbar ziellos vorgehen, wie bei einem Spaziergang. Die ideale Voraussetzung dafür, Yang mit ihrer Magnetkraft anzuziehen.

 

Was bedeutet es, Yin-Magnetkraft zu haben?

• Als Yin-Magneten sind wir auf Empfangen und Harmonie eingestellt.
• Wichtig: Empfangen ist nicht Schwäche, sondern Stärke.
• Ein Magnet kann winzig sein, aber wenn er aus den richtigen Materialien besteht und ganz und gar in eine Richtung geordnet ist, kann er die dicksten Brocken anziehen.
• Das Motto für alle „Yin-Krieger“: Sei der Kelch, nicht das Schwert.
• Empfangen heißt: sich für etwas öffnen und es halten. Also etwas Haben – und Sein. Darin liegt diese spezifische Größe, Kraft und Macht.
• Es geht darum, das Empfangene zu transformieren und daraus etwas Neues zu schaffen. Zum Beispiel Projekte, Kreationen, Unternehmen.

Beispiele für erfolgreiche, Yin-magnetische Frauenprojekte dafür gibt es zuhauf: The Body Shop, Faith Popcorn, Gundl Kutschera (eine urige Trainerin in Österreich), Cordula Nussbaum (Zeitmanagement-Trainerin für kreative Chaoten in der Podcastserie: Das Abenteuer Leben), die Filmkunst 21 in Köln, Erlebnisbäuerinnen (Zeitschrift Existentielle), nachhaltige Designerinnen (z.B. ecouleur.de in Köln), witzige Cafés mit Mehrwert (wie “Zimt und Rosen”), u.s.w.

• Yin-Kraft zu haben, bedeutet, dass wir von Natur aus „attraktiv“ und anziehend sind. Es ist einfach. Und nicht anstrengend.
• Unsere angestammten Bedürfnisse sind: Ruhe, Harmonie, Gelassenheit, Offenheit, Toleranz, Liebe für andere.
• Wir kümmern uns um das Wesentliche, die Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Komfort (Körper, Hotels, Behaglichkeit), Vorräte (Einkauf, Finanzdienstleistungen), Erziehung (Bewahrung und Weitergabe des kulturellen Erbes), Soziales und Reproduktion (Catering, Sex) und Verständigung (Coaching, Training).
• Kinder (Geschäftsideen und –felder) kommen, wachsen auf, verlassen uns und bringen uns wieder ihre Kinder. Wir ziehen sie auf. Diese Rolle ist lebensnotwendig für die Erhaltung der Menschheit.
• Wir stellen unsere Dienste zur Verfügung, locken mit Fülle, Schönheit, Glanz, Üppigkeit, Sanftheit, Freude, Gelassenheit, Sinnlichkeit, Zuversicht.
• Männer umschwirren uns, solange wir jung und fruchtbar sind.
• Später suchen sie unseren Rat bei Konflikten und schwierigen Entscheidungen.
• Sie gedeihen gut und kommen in ihre eigene Spiritualität, wenn die Frau ihr Magnet bleibt, bei dem sie Energie tanken können, um für die Jagd gerüstet zu sein

 

Yin&Yang und Gender

Keine Angst, liebe Yang-Frauen (die gibt’s natürlich auch – und nicht selten!): Selbstverständlich ist das nicht alles. Im Yang ist auch ein Punkt Yin enthalten (und umgekehrt); außerdem fließen und pulsieren die Element ineinander. Dehnt sich das eine aus, zieht sich das andere zusammen und umgekehrt. Das ist das Schöne und Weise daran: Wir können unsere Yin-Kräfte, Phantasien und Bedürfnisse ernstnehmen und ausleben, aber auch ganz bewusst ins Yang-Element wechseln, wenn das für unser Verhalten im Beruf wie im Privatleben nötig und sinnvoll ist. Es geht um gender, nicht um Biologie.

 

Vision: “Blaue Ozeane” und “Frauen-Biotope”

Ich finde, wir sollten „blaue Ozeane“ für Frauenpower (wieder-)entdecken, wo wir die Nase vorn haben, weil wir auf dem eigenen Weg sind. Ein blauer Ozean ist ein Geschäftsfeld, in dem wir allein sind und in dem nicht – wie im roten – das Blut des Konkurrenzkampfes fließt. Durch die magnetische Yinkraft können wir uns gut ausrichten und ein eigenständiges Profil erstellen.

So wie ein Süßwasserfisch nicht im Salzwasser überlebt, brauchen viele Yin-Frauen ihr eigenes Biotop, in dem ihre Unternehmen gedeihen. Wenn sie ausgewachsen sind, das wissen wir von den Kindern, können sie auch in der großen weiten Welt überleben. Aber zunächst brauchen wir für unsere jungen Unternehmenspflänzchen Schutz und die Anerkennung Gleichgesinnter auf Augenhöhe, um den Mut und die Inspiration für den selbstständigen Weg aufzubringen. Wir müssen also unsere Magnetkraft erst einmal aufladen. Das passiert im Magnetfeld der Frauenrunde. Suchen Sie sich ein passendes Netzwerk-Biotop.

Oder einen freundlichen Küchentisch zum Hefeteig-Coaching:

Geschichte wird zwar auf der großen Weltbühne aufgeführt – vorbereitet und geschrieben wird sie aber meist woanders: am Küchentisch. Zwischen Zitronenhuhn und Apfelkuchen werden Pläne geschmiedet und die Zukunft entworfen. Hier werden Zwiebeln geschält und Tränen getrocknet, Beziehungen und zerbrochenes Geschirr geklebt, Unternehmen gegründet, Quittungen sortiert, Einkommenssteuer- und andere Erklärungen gemacht, Pechsträhnen bejammert, Glückskekse geknackt, nächste Schritte besprochen und Erfolge gefeiert. Küchentische sind der Ort, an dem die kleinen Geschichten geschrieben werden, aus denen später große Geschichte werden kann.  (Ilke S. Prick)

 

Bedeutet Yin-Magnetkraft, dass wir nichts mehr zu tun brauchen?

Sie werden sich nun vielleicht fragen, ob Selbstständigkeit nicht auch für Frauen ein harter Kampf ist, eben selbst und ständig? Ja und nein, sage ich. Es gibt einen Kampf, aber nicht dort, wo Männer ihn führen. Er findet nicht in der offenen Arena mit den Konkurrenten als Kräftemessen statt, sondern in den Frauen selbst.

Es ist ein Kampf ihrer Werte, ihrer Ideale und der Anstrengung der Anpassung an bestehende Institutionen wie Arbeitsamt, Banken, Businesspläne, Versicherungen und weiteren, von Männern erarbeiteten Konzepten und Normen für Selbstständigkeit.
Viele Frauen sind konditioniert zu glauben, dass wir abhängig sind, z.B. von Banken, Finanzämtern, rechtlichen Bestimmungen und Behörden. Wir glauben, im vorauseilenden Gehorsam, dass wir uns fügen müssen und nur Erfolg haben, wenn wir es machen wie die anderen.

Das führt uns direkt ins „Angst- und Mangel-Denken“, unter dem immer noch viele Frauen, zumal die organisierten „guten Töchter“, insgeheim leiden. Nichts zu haben, nichts zu fordern und uns aufzuopfern sind weiterhin starke Antriebskräfte in Frauen, die die Magnetkraft beeinträchtigen, weil sie uns richtungslos machen.

 

Die Aschenputtelfalle

Neulich erlebte ich ein krasses Beispiel von weiblicher Aufopferungsbereitschaft. Eine beeindruckende Runde von “braven Mädchen” hatte sich da in einem gestifteten Zweckraum versammelt, deren Idealismus, Selbstausbeutung und Demut mich tief beeindruckte. Alle Anwesenden bekleideten eine Vielzahl an Ehrenämtern, nahmen noch Aufgaben in Familie und Haushalt wahr und waren zudem voll berufstätig. Insgesamt vertraten die Anwesenden eine Anzahl von rund 50.000 weiblichen Mitgliedern, in der Verbandskasse befand sich hingegen ein erschreckend geringes Guthaben. Die Vorstandsfrauen hoben stolz hervor, dass sie die Verbandsaktivitäten selbstverständlich aus eigener Tasche mitfinanzierten.

Hätte es sich um eine Männerrunde mit Vertretern männlicher Institutionen und Verbänden gehandelt, so lässt sich leicht ausmalen, in welch luxuriösen Umständen sie sich getroffen hätten – und das wahrscheinlich noch gesponsert durch eine Wirtschaftsförderung. Um es salopp zu formulieren: Mädels, so wird das nichts! Wenn wir aus der Aschenputtelfalle heraus wollen, müssen wir uns auf unsere weibliche Magnetkraft besinnen. Nicht noch härter arbeiten, sondern uns selbst lieben, wertschätzen, pflegen und Gutes anziehen.

 

Persönlicher Bezug

Warum ist mir der weibliche Ansatz so wichtig, fragen Sie sich vielleicht? Ganz einfach: Ich wuchs mit drei älteren Brüdern auf und lebe seit 23 Jahren mit meinem Mann und zwei Söhnen zusammen. Da kann ich meine Yin-Magnetkraft immer wieder erfolgreich ins Spiel bringen, aber ein gerüttelt Maß an weiblichem, kämpferischem Eigensinn tut durchaus Not.

Beruflich arbeite ich zusammen mit einer Yangfrau, Cornelia van der Coelen. Wir unterrichten Frauen in Akquise, wobei sie authentisch für das Yang-Prinzip der zielgerichteten, penetrant-freundlichen Telefonakquise steht, während ich „Sog-Marketing“, also Yin-Magnetkraft, anwende.

 

Selbstreflektion

Bevor wir uns im folgenden Teil von der Theorie zu den praktischen Tipps begeben, möchte ich Sie kurz bitten, mit Hilfe folgender Fragen eine Selbstbestimmung durchzuführen:

  • Welcher Typ sind Sie? Mehr Yin oder mehr Yang?
  • Welcher Typ war Ihre Mutter?
  • Welcher Typ sind Ihre Verwandten und Freundinnen?

 

Nächste Woche widmen wir uns Magnetfrauen-Vorbildern und den sieben Anziehungsmöglichkeiten der Magnetfrau. Ich freue mich auf Sie!

 

Bild: Unsplash

Written by Jenison Thomkins

Jenison Thomkins ist NLP-Lehrtrainerin, Coach, Buchautorin und Gründerin von Femme Totale, einem Netzwerk für Frauen in kreativen und beratenden Berufen. In ihrem Atelier im Herzen Kölns bietet sie Ausbildungen, Seminare und Coachings an.

2 comments

  1. Liebe Jenison,

    vielen Dank für einen weiteren wunderbaren Artikel! Bringt mich zum Nachdenken. Aber was hat es mit den 3 Fragen auf sich? Kommt da noch ne Auflösung? Oder geht es nur drum, zu schauen, welche prägenden Vorbilder um Frau herum sind?
    LG von Lou

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