„The personal is political“ hieß es zu meiner Studienzeit in Amsterdam. Wir konnten uns damals in aller Ruhe sogenannten „Frauenstudien“ hingeben und eigene Fragestellungen wissenschaftlich erforschen. Was ist nun der richtige Ansatz für Frauen, wenn diese sich selbständig machen, aber nicht auf den Kriegspfad gehen wollen?

Sich das Recht auf eigene Werte und Betrachtungsweisen zu nehmen, ist sehr wichtig, um kraftvoll in der eigenen Spur zu laufen. Wenn Sie in der Selbständigkeit z.B. einfach langsamer, umsichtiger und romantischer vorgehen wollen, dann ist das eben so. Und es macht keinen Sinn, nach anderen Werten zu leben, nur weil man Ihnen einredet, alles andere sei nicht professionell. Denn dann ist erstens niemand auf Ihrem ganz persönlichen Weg unterwegs und Sie sind nicht so gut auf dem eingeschlagenen anderen Weg wie der- oder diejenige, dessen/deren Weg es ist. Ihr Weg verwaist und andere fühlen sich in ihrer Bahn durch sie gestört.

 

Was ist nun der „weibliche Weg“?

Lassen Sie es mich ganz banal sagen: „Frauen denken anders als Männer und haben auch ganz andere Gefühle.“ So behauptet es zumindest die angesehene Zukunftsforscherin Faith Popcorn. Ich behaupte: Deshalb brauchen sie auch andere Strategien auf dem Wege zur Selbständigkeit.

„Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad“, lautete ein Spruch der Frauenbewegung in den 80gern, um Frauen vom Dogma zu befreien, dass sie ohne Mann nicht vollwertig seien. Analog könnte man sagen: „Eine Gründerin ohne Finanzplan und Kriegsbeil ist wie ein Fisch ohne Navi und Harpune“.

Auch die historische Frauenforschung hat ja immer betont, dass kulturelle Wertigkeiten neu definiert werden müssen: Dass es bei der Geschichtsschreibung nicht darum geht, Kriege und Staatsverträge in den Mittelpunkt zu stellen, sondern Alltagsleben und Beziehungsformen. Dass es genauso wichtig war, dass die Nähmaschine erfunden wurde wie die Feuerwaffe. Dass Familienformen ebenso wichtig sind wie Staatsformen.  (Antje Strupp)

Warum brauchen wir weder Navi noch Harpune? Das hat mit meiner Standbein-Spielbein-Theorie zu tun: Männer betrachten es seit Jahrtausenden als ihre Pflicht, Geld zu verdienen. Das ist ihr Standbein. Zuhause möchten sie sich entspannen. Das ist ihr Spielbein.

Bei Frauen ist es häufig umgekehrt. Sie organisieren ihre Berufstätigkeit nicht selten so, dass sie bei Bedarf – wenn Kinder, Eltern oder Partner sie brauchen – alles stehen und liegen lassen können, um sich um sie zu kümmern. Das ist ihr Standbein. Den Beruf möchten sie nicht unbedingt als Pflichterfüllung und Disziplin wahrnehmen; hier dürfen  Anerkennung und Spaß nicht fehlen. Hier ist ihr Spielbein!

Diese Gewichtung ist, meiner Meinung nach, das eigentliche Hindernis für viele authentische Frauen, Karriere zu machen. Wenn der Spaß und das richtige Ambiente fehlt, sehen sie keinen Sinn mehr in der ganzen Plackerei.

 

Zicke oder Mauerblümchen?

Allgemein lässt sich beobachten, dass Frauen, wenn sie sich zu lange in männlich dominierten Arealen aufhalten und mit Männern und ihrem Verhalten mitziehen wollen, an Kraft und Gesundheit verlieren und ausbluten. Je älter sie werden, desto deutlicher zeigt sich das. Besonders Frauen in Hierarchien, also die meisten Angestellten, entfremden sich immer mehr von sich selbst. Sie können ihre Magnetkraft im männlichen Konkurrenzkampf einfach nicht mehr aufladen.

Dann mutieren sie entweder zum Mauerblümchen oder zur Zicke. Die „Zicke“ ist eine Frau, die mit dem Rücken zur Wand steht und nur noch durch Abwehr ihren inneren, ausgelaugten Raum verteidigen kann.

Identifiziert eine Frau sich (…) mit Männern, wird sie im allerbesten Falle ein halber Mann werden können. Sie wird, auch wenn sie noch so tüchtig und anpassungsbereit ist, nur Gast sein in den Männerbünden – und sich als Frau verleugnen müssen. Will eine Frau wirklich ihren Weg gehen, kann sie sich zwar auch von Männern ermutigen lassen, ja braucht in der Regel ihren Segen – wie im klassischen Fall der „Vatertochter“, des mit dem Vater identifizierten Mädchens -, aber muss sich letztendlich an Frauen orientieren können. Denn steht sie nicht in der Tradition ihres eigenen Geschlechts, bleibt sie ein Strohhalm im Wind und ist leicht wieder wegzupusten.  (Alice Schwarzer)

Im Alter zwischen 40 und 50 Jahren machen sich viele erfolgreiche Karrierefrauen aus Frust über hartnäckige „Yang-Strukturen“ am Arbeitsplatz mit einem geliebten Teilbereich ihres Aufgabenfeldes selbständig. Und geraten dann, wie oben beschrieben, in die Akquiseproblematik, wo sie von Yang-Beratern erfahren, dass sie nun erst recht ihre Ellenbogen zum „Überlebenskampf“ einsetzen sollen.

Zu Beginn meiner eigenen Selbständigkeit munterte mich meine Gründercoachin Eva Kanis so auf: „Frauen sind ein Magnet”, sagte sie. „Sie brauchen nicht auf die Jagd zu gehen!“ Das beflügelte meinen Geist – bis heute. Wie entspannend: nicht auf die Jagd gehen, um Beute zu schlagen, sondern relaxen und in unser Wohlergehen investieren, damit wir so verlockend werden, dass andere sich gern “ein Scheibchen von uns abschneiden” möchten! Das klingt doch sehr verlockend.

 

Beweis der Magnettheorie?

Aber womit könnte man diese wundervolle Einsicht begründen, fragte die Forscherin in mir. Tja, den Beweis im wissenschaftlichen Sinne muss ich Ihnen wohl auch schuldig bleiben. Es handelt sich um eine metaphorische Behauptung, die durch Abstraktion von Beobachtungen im Alltag und in der Natur gewonnen wurde.

Ob Frauen überhaupt eine separate, von Männern klar unterscheidbare Kategorie bilden, hat trotz vieler Versuche noch niemand schlüssig beweisen können. Wie groß der „kleine“ Unterschied in Wahrheit ist: Wer kann das schon feststellen, wo doch jede/jeder immer nur mit ihrer/seiner Brille die Welt betrachtet und von daher nur das sieht, was er/sie weiß/annimmt/voraussetzt.

Das sollte uns jedoch nicht daran hindern, unser Magnetfeld zu stärken, denn 1. ist es ja, wenn man sich so umschaut, offensichtlich, dass Frauen ein Magnet sind (man denke nur an die Reeperbahn), und 2. ist es sehr nützlich, so zu denken. Deshalb lassen Sie uns einfach einmal annehmen, meine Behauptung sei wahr. Denn: Gedanken werden Wirklichkeit!

 

Die Bedeutung der Wahrnehmungsfilter

Unser Fokus liegt mit seinen immerhin 40 Millionen Wahrnehmungseinheiten-Bits pro Sekunde immer genau auf dem, wohin wir schauen, was wir hören, was wir riechen oder gerade bewusst schmecken und fühlen. Das heißt: Worauf wir uns mit unseren Sinnen konzentrieren, ist unsere Realität. Die Brille, die wir tragen, nehmen wir erst wahr, wenn wir sie absetzen.

Wenn ich glaube, dass ich anderen hinterherlaufen muss, dann ist es so. Wenn ich glaube, dass ich attraktiv und wertvoll bin, dann dauert es nicht lange, bis man mich umschwirrt, „wie Motten das Licht“(Marlene Dietrich).

So erklärt sich die sogenannte „self fulfilling prophecy“. Man kann es auch mit der deutschen Redensart verdeutlichen: Wie es in den Wald ruft, so schallt es zurück. Das hermetische Gesetz der Resonanz: „Außen wie Innen“.

Die Frage ist: Wollen Sie lieber ein Magnet sein oder magnetisiert werden? Folgen Sie lieber Ihrem Stern oder dem eines anderen? Ihr Leben gehört Ihnen. Machen Sie damit, was Sie wollen! Welch Geistes Kind sind Sie? Wollen Sie ent-geistert vor dem Leben weglaufen – oder andere begeistern? Sie haben es zu einem großen Teil in der Hand.

 

Hintergund Hirnforschung

Unser Unbewusstes ist 40 Millionen Mal stärker als unser Bewusstsein mit seinen 40 Wahrnehmungs-Bits pro Sekunde. Es ist schneller und umsichtiger, weil es in Bruchteilen von Sekunden aus Millionen gespeicherter Erinnerungen die für diesen Augenblick relevante Information herauspickt, in eine Emotion übersetzt und uns damit in einen Zustand versetzt, in dem wir adäquat handeln können.

Wir handeln also zuerst und dann, mit etwa einer Minute Verspätung, begreifen wir, was wir da eigentlich gerade tun. Aufgrund dieser Verhältnisse ist jeglicher Versuch, das Handeln allein mit dem Verstand zu kontrollieren, von vornherein zum Scheitern verurteilt.

 

Die Innere Erlaubnis

Wir können mit dem Verstand also bloß registrieren, dass wir etwas gut hingekriegt haben oder dass uns etwas an unserem Verhalten stört. Wir bemerken vielleicht, dass wir uns freuen oder ärgern, dass wir Angst haben oder Sorgen. Erst, nachdem die Emotion etwas abgeklungen ist, setzt die Stunde des Verstandes ein, der in die Zukunft schauen und vernünftig die Lage checken kann.

Love it, leave it or change it, heißt es nun! Wir inventarisieren, ob und was wir verändern wollen.

Damit richten wir den Fokus unseres mächtigen Unbewussten auf unsere Wünsche und Absichten und kreieren somit, wenn das Unbewusste uns unterstützt, eine neue Wirklichkeit durch neue Verhaltensweisen. Das ist genau wie beim Magnetisieren: Ohne Ausrichtung streben die Elementarteilchen in alle Richtungen und entwickeln keine Anziehungskraft.

Ohne die Innere Erlaubnis aber läuft gar nichts. Deshalb ist es wichtig und möglich, sich mit dem Unbewussten gut zu stellen und es für unsere Sache zu mobilisieren.

Wenn Sie mir nun also folgen wollen, und einmal den Satz, „Wir Frauen sind ein Magnet“ auf sich wirken lassen möchten, dann machen Sie hier eine Pause und gönnen sich eine Kurz-Meditation, bei der sie einmal spüren können, wie Ihr Körper darauf reagiert.

 

Kurz-Meditation: “Ich bin ein Magnet!”

Schließen Sie die Augen und geben Sie sich zwei Minuten….

Lassen Sie alles auf sich zuströmen und werden Sie ganz ruhig und gelassen. Sagen Sie sich: „Ich bin ein Magnet, ich brauche nichts zu tun! Ich bin groß und schwer. Ich bin klar ausgerichtet. Ich bin einfach da. Ich bin schön. Ich bin attraktiv! Ich ziehe alles an, was mir gut tut. Alles geschieht von selbst.“

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie so entspannt und erfüllt dasitzen, und einfach in größter Gelassenheit alles auf sich zukommen sehen in der genüsslichen Gewissheit, dass Sie nichts aus der Ruhe bringen kann?

 

Im nächsten Teil meiner Serie erfahren Sie, was es mit der Yin-Kraft auf sich hat, warum Sie „Blaue Ozeane“ genießen und die Aschenputtelfalle besser meiden sollten. Ich freue mich auf Sie!

 

Bild: kaboompics

Written by Jenison Thomkins

Jenison Thomkins ist NLP-Lehrtrainerin, Coach, Buchautorin und Gründerin von Femme Totale, einem Netzwerk für Frauen in kreativen und beratenden Berufen. In ihrem Atelier im Herzen Kölns bietet sie Ausbildungen, Seminare und Coachings an.

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