„Eigentlich“ ist ein Wort, das man an der Nordküste von Lesbos ziemlich häufig hört. Eigentlich sollten die Flüchtlinge einfach mit der Fähre kommen dürfen. Eigentlich sollten sie über Land einreisen. Die Behörden sollten sich eigentlich um Transport und Unterkunft kümmern. Und eigentlich ist doch die Küstenwache dazu da, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren.

Da sie das nicht tut, haben an den Küsten von Lesbos freiwillige spanische und griechische Rettungsschwimmer den Job übernommen. Hunderte Menschen haben sie schon gerettet, während die Besatzung des Frontex-Schiffes mal wieder nur von der Reling zuschaute; Dutzende Menschen konnten auch sie nicht retten. Ich habe ein paar der Rettungsschwimmer gefragt, warum sie das tun, was sie tun. So haben sie geantwortet:

 

Alexander (19), Griechenland:

Was, wenn in unserem Land einmal Krieg wäre.
Ich kann nur hoffen, dass uns dann auch jemand hilft.
Das ist der Grund, warum ich hier bin.

 

Pepe (40), Spanien:

Ich bin Rettungsschwimmer, ich rette Menschen.
Das ist mein Leben. Dazu bin ich da.

 

Ali (29), Niederlande:

Ich kam her, um Menschen zu helfen. Menschen helfen.
Darum geht es. So einfach ist das.

 

Sotiris (25), Griechenland:

Mein bester Freund stammt aus Syrien. Ich fühle mich diesen Menschen so sehr emotional verbunden. Für mich war es damit irgendwie auch eine moralische Verpflichtung, hierher zu kommen.

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Dimitri (26), Griechenland:

Ich konnte es nicht ertragen, einfach nur zuzusehen, wie diese Menschen sterben. Also bin ich hergekommen und versuche nun, so vielen Menschen wie möglich zu helfen.

 

Joel (36), Uruguay:

Ich bin Krankenpfleger und Rettungsschwimmer.
Ich bin also wie gemacht für den Job hier.

 

Maria (29), Griechenland:

Als ich die Bilder von Lesbos im Fernsehen sah, wollte ich unbedingt helfen. Und das kann ich am besten, indem ich Menschen vor dem Ertrinken rette.

 

Javi (22), Spanien:

Meinen Großeltern ging es während des Spanischen Bürgerkriegs genauso wie den Menschen in Syrien. Diese Menschen brauchen Hilfe und ich will helfen. Niemand sonst wird es tun, also muss ich es sein.

 

Bilder: Fabian Köhler

Written by Fabian Köhler

Fabian Köhler hat in Jena und Damaskus Politik- und Islamwissenschaft studiert. Als freier Journalist schreibt er gern über und noch viel lieber aus Nahost. Auch wenn davon nicht mehr viel übrig ist.

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