In den Trümmern meiner Erinnerung
zerrinnst du wie Feuer
Staub ist dein Kleid
lodernd in meinem Haar
deine Nacktheit kann ich verbergen
in meinen Nächten
deine Gedanken
nicht
in geheimer Sprache findest du
Worte
vielleicht gelingt es mir
dich zu verstehen
Worte sind so leicht
fliegend leicht
schon bodenlos
ich selber suche den Boden
auf dem du schreibst
bin ich Wort
bist du Tinte
bin ich Kamm
bist du Haar

 

 

 

 

 

seinsart | Tuncay Gary Lyrik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

rauch

dörfer brennen wie
zeitungspapier
bäume genug
um einen wald voll
zu verbrennen
menschen noch mehr
so viel schon
brennt
und tiere erst
knistern in der luft
wie babys
oder spielzeug
als zigarrenrauch
in der luft
all das obst
und ähren und felder
selbst der fluß
kaffeeheiß steigt empor
wie brennende dörfer

herr ober
lieber einen tee
und die neueste ausgabe
die hier ist von gestern

 

 

 

 

 

seinsart | Tuncay Gary Lyrik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dein Haar ist schwarz
so schwarz wie es
deine Augen
nicht sein können
so schwarz
ist nicht dein
Mund
auch nicht
deine Wangen
und die Ohren
ganz bestimmt nicht
die Schenkel
du glaubst nicht
wie schwarz
dein Busen nicht sein kann
so bestimmt nicht
dein Zeh
deine Zähne
werden niemals
so schwarz werden
die sind weiß
weiß
wo kommt bloß diese Farbe her

 

 

 

 

 

seinsart | Tuncay Gary Lyrik

 

 

 

 

 

Richtig oder nicht, das wirst du mir nie sagen
Auch wenn ich die Stimme erhebe, es zu wagen
Jedes Mal in der Hoffnung, eine Antwort zu erhalten
Anfangs noch ungestüm, später dann verhalten
Aber die Zeit, die verstreicht, wird´s schon walten

Randvoll gefüllt mit Leben schreitest du den Gang
Auch mit der Neugier, die du dir bewahrt hast
Je nachdem, welchen Weg du wählst
Am Anfang schien dir alles leicht
Am Ende ist dagegen so manches schwer

 

 

 

 

 

seinsart | Tuncay Gary Lyrik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruhig verlasse ich den Raum, wo du warst
Atme erleichtert – von der Aufregung nichts zu sehen
Jubel beflügelt meinen Geist, der Körper tanzt auf den Wegen
Atme erleichtert, schaue in Gedanken dir hinterher
Atme erleichtert, die Welt für uns hat keine Grenzen

Bisher ist das so, bisher dreht sich die Welt auch in der Bahn
Atme erleichtert zwar, aber das Ungefühl wächst mit jedem Zug
Ich sollte anhalten, aussteigen auf dieser Fahrt
Raus aus dem Alltag, zurück wieder in den Traum

 

 

 

 

 

seinsart | Tuncay Gary Lyrik

 

 

 

 

 

schreiben
warum
wenn wir uns sehen
sind worte klein und zittrig
die nähe zu dir
lässt mich nicht sprechen
nicht klar genug
die nähe zu dir
verzaubert
bezaubert
verstummt
lässt mich verstummen
ganz leise bin ich
ganz klein
alles schweigt um mich
in mir
aus mir
zu dir
nur dies
vorsichtiges tasten
auf allen vieren
wie eine katze
ohne beine
ein vogel in der luft
luft um dich
abgehoben

 

Bilder: unsplash

Written by Tuncay Gary

Tuncay Gary ist Lyriker, Schauspieler, Theaterautor, Regisseur und Dramaturg. Er veröffentlichte zahlreiche Gedichte und Prosatexte. Neben Engagements als Schauspieler für Film und Theater produziert er eigene wie fremde Theaterstücke und bietet eine Literaturwerkstatt für Kinder und Jugendliche an.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>