Achtung, Satire! – Haben Sie das auch gelesen? Einer Studie zufolge besitzen die 80 reichsten Menschen der Welt so viel Geld wie die ärmsten 3,5 Milliarden Menschen zusammen. Ich muss sagen: Das stinkt doch zum Himmel! Höchste Zeit für eine kleine Spende. Was für sie ein kleiner Betrag wäre, wäre für die Menschheit zweifellos ein großer.

Ich selbst zum Beispiel spende jeden Monat einen festen Betrag an Brot für die Welt. Mein Gewissen dankt es mir ebenso wie diese armen Schlucker. Das musste ich gestern auch der Frau erklären, die bei uns an der Türe geklingelt hat. Wollte die doch glatt eine Spende fürs Altenheim. Da musste ich mich schon kurz aufregen, schließlich war ich in Eile. Der Tennislehrer kann schließlich nichts für die Armut dieser alten Leute. Tennisspielen macht mir Spaß, ich nehme seit 8 Monaten Unterricht. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Die Tennishalle liegt direkt in so einem vornehmen Viertel, in dem diese ganzen Schnösel wohnen. Da haben die sich ja ganz schön eingeigelt. Unsereins könnte sich da keine Wohnung leisten, von einem Haus ganz zu schweigen. Nein, die kleine Oase ist wohl nur was für Auserwählte.

Wenn es wenigstens eine Vermögenssteuer gäbe! Dann könnten wir viel mehr Geld nach Afrika schicken. Oder nach Syrien. Dann würde es den Leuten dort besser gehen und die müssten nicht mehr alle zu uns kommen. Dann hätten wir unsere Turnhalle wieder für uns und meine Kleinen kämen auch wieder zum Sport wie ihr Papa.

Aber all diese Superreichen zahlen ja überhaupt keine Steuern! Die parken ihr Geld einfach in der Schweiz oder in Luxemburg und ruhen sich auf der faulen Haut aus. Wir müssen dafür jeden Cent umdrehen. Meine Älteste konnte ihren Smart neulich nicht einmal in die Werkstatt bringen. Wie soll sie das denn bitte zahlen als Studentin? Am Ende hat das Auto dann mein Schwager repariert. Dem habe ich einfach ein paar Scheine in die Hand gedrückt und gut war´s. Der stellt mir keine Rechnungen aus, schon gar keine teuren.

Meine Cousine war neulich im Urlaub. In Monte Carlo. Da haben die Reichen teilweise bis zu zwei Yachten. Als ob es eine nicht reichen würde. Ich glaube ja, die müssen einfach ihr Ego aufpolieren mit ihren ganzen Besitztümern. Die haben einfach kein soziales Bewusstsein. Das ist in meiner Familie anders. Erst letztes Wochenende habe ich die halbe Fußballmannschaft meines Neffen im Kombi zum Auswärtsspiel gefahren. Normalerweise macht das meine Frau, aber ihr BMW war bei der Inspektion.

Dann bin halt ich eingesprungen. Man setzt sich ja gerne für die Gesellschaft ein. Der Trainer der Jungs hat ganz schön gestaunt, als ich all die Rabauken eingeladen habe. In seine Sardinenkiste passen die natürlich nicht. Seit er seinen Job als Produktionshelfer verloren hat, kann er sich halt nichts mehr leisten.

Wir haben zum Glück einen großen Wagen. Den haben wir damals von der Dividende gezahlt. Die war recht hoch, weil die AG gerade die Produktion nach Indien verlegt hatte. Das war echt gut, so mussten wir nicht einmal einen Leasingvertrag abschließen.

Gut, für griechische Milliardäre wäre so eine Anschaffung ein Klacks. Die schaffen ja ihr ganzes Geld ins Ausland und lassen ihr Heimatland pleite gehen. Das ist schon erschreckend, dass die sich so gar nicht um ihre Mitmenschen kümmern. Zum Glück habe ich eine Frau geheiratet, die da komplett anders tickt.

Mit ihrer Frauengruppe hat sie neulich eine Spendenaktion für die Tafel gemacht. Die ist im Nachbarort. Eine grandiose Sache. Das habe ich auch dem Penner gesagt, der neulich vor dem Supermarkt saß. Der sah hungrig aus, ich sage es euch. Da habe ich ihm empfohlen, zur Tafel zu laufen. Das ist schon ein tolles Gefühl, einem Mitmenschen so einfach helfen zu können.

Das ist mir auch wichtiger, als all das Geld auf dem Konto liegen zu haben. Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Reiche. Der Herbert aus dem Tennisclub ist zum Beispiel ein Klassetyp. Der hat mir erst neulich wieder ein Bier ausgegeben. Da hatten wir über Gott und die Welt geredet. Mann, war das schön.

Aber diese Superreichen. Ich weiß nicht. Ihre ganze Selbstzufriedenheit stinkt doch zum Himmel! Bemerken die denn gar nicht, wie sie sich verhalten? Höchste Zeit für eine kleine Spende. Ich glaube, ich sollte mich mal politisch engagieren. Vielleicht ja bei diesen Demos, die jetzt wieder in Dresden stattfinden. Gut, das mit dem Galgen war vielleicht übertrieben. Aber anders kriegt man ja keine Presse mehr in diesem Land.

Und morgen, das darf ich nicht vergessen, machen wir endlich ein Schild an unsere Tür: Betteln und Hausieren verboten.

 

Bild: Jollymama

Written by Daniel Trumino

Daniel Trumino studiert Journalismus an der Freien Journalistenschule in Berlin. Neben seinem Fulltimejob als kaufmännischer Angestellter spielt er gerne Faustball und produziert Geräusche in einem bedauernswerten Chor.

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