Was geschieht, wenn wir sterben? Gibt es ein Jenseits? Für viele Menschen liefert die Nahtoderfahrung Antworten auf diese Fragen – ein Phänomen, das allein in Deutschland möglicherweise mehr als vier Millionen Menschen erlebt haben.

 

Mit der faszinierenden Geschichte des amerikanischen Neurochirurgen Eben Alexander, dessen Glaube an das Jenseits sich nach einer eigenen NTE-Erfahrung fundamental gewandelt hat, wurde das Thema einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Während eines Unfalls, einer Operation, eines Komas erleben diese Menschen, wie sie plötzlich aus ihrem Körper heraus zu schweben scheinen, ihn manchmal von oben betrachten, begleitet von einem seligen friedvollen Gefühl.

Oft ist von einem Tunnel die Rede, durch den sie anschließend auf ein Licht zuschweben, manchmal begleitet von liebevollen Wesen oder bereits verstorbenen Verwandten. Meist ist dies verbunden mit einer Lebensrückschau oder einer Einheitserfahrung, bevor sie den inneren Ruf vernehmen, zurück zu müssen – in den Körper, ins Leben. Für viele begann danach ein neues Leben, mit mehr Sinn, Freude und Vertrauen, dass alles verbunden ist und es nach dem Tod nicht zu Ende ist.

Sind dies eindeutige Erkenntnisse oder Deutungen, die den Menschen helfen, das Erlebte zu verarbeiten? Während die einen darin vor allem psychochemische Vorgänge vermuten, liegen für spirituell Gläubige eindeutige Beweise für eine jenseitige und geistige Welt dahinter verborgen.

 

Das Jenseits existiert wirklich
Nahtoderfahrungen aus der Sicht des Sterbeforschers Bernard Jakoby

Sobald es um das Thema Sterben und Tod geht, sind viele Menschen irritiert. Dahinter steht die Angst vor dem Unbekannten oder vor der endgültigen Auslöschung. Auf der anderen Seite wissen wir heute mehr als jemals zuvor darüber, was mit uns geschieht, wenn wir sterben. Die Nahtoderfahrungen vermitteln, was wir alle erleben werden, wenn wir sterben und dass wir ewige geistige Wesen sind. Sobald der Körper verlassen wird, geht das Erden-Ich über in ein allumfassendes Überbewusstsein. Raum und Zeit sind in der Gleichzeitigkeit und Einheit des EINEN GEISTES aufgehoben und die Betroffenen erleben eine Bewusstseinskontinuität.

Dadurch beschleunigen sich alle Gedanken, Abläufe und Einsichten. Das erklärt die erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit, die strukturierten Denkprozesse und die klaren Erinnerungen des Erlebens. Nahtoderfahrene befinden sich in einem erweiterten Bewusstseinszustand jenseits des Körpers, der unabhängig von Gehirnfunktionen ist.

Wer sich wirklich auf Menschen einlässt, die ein Todeserlebnis hatten, wird die Erfahrung machen, wie ähnlich und doch subjektiv unterschiedlich die auftretenden Phänomene sind. Ich habe mich seit dreißig Jahren damit beschäftigt und viele Menschen persönlich gesprochen. Aus meiner Sicht gibt es nicht den geringsten Zweifel an der Echtheit der Nahtoderfahrungen. Manchmal frage ich mich, wie viele Studien wir noch brauchen…

Es liegt in jedem Einzelnen, sich Kraft des freien Willens für Liebe und Vertrauen oder Angst und Zweifel zu entscheiden. Jeder, der dem Licht begegnet ist, berichtet von dieser alles anziehenden Energie der Liebe und das sind allein in Deutschland ca. 4 Millionen Menschen. Die meisten wollen am liebsten dort bleiben. Die Lebensrückschau konfrontiert die Erlebenden mit den Auswirkungen ihrer Gedanken, Worte und Taten. Sie bekommen Zugriff auf ein Wissen, das ihnen auf der Erde nicht zugänglich ist. Dabei wird niemand verurteilt, sondern es geht um Heilung und Selbsterkenntnis, Selbstvergebung und Selbstakzeptanz.

Würden wir unsere unerledigten Dinge im Hier und Jetzt bereinigen, brauchen wir uns nie vor dem Sterben zu fürchten. Erlebende berichten darüber hinaus von Begegnungen mit Verstorbenen, der Verschmelzung mit allem Wissen und Gott. Es werden paradiesische Landschaften wahrgenommen oder Lichtstädte und es kommt zu Begegnungen mit Engeln oder Lichtwesen. Über allem stehen das Licht und die unvorstellbare Liebe Gottes. Wer das erlebt hat, verliert jegliche Angst vor dem Tod. In diesem Gesamtkontext ist es wichtig zu wissen, dass die Merkmale einer Nahtoderfahrung auch im Sterbeprozess wieder auftreten. Die Seele löst sich langsam vom Körper und dadurch wird der Sterbende durchlässig für die Präsenz der geistigen Welt. Manche sprechen von Visionen, ähnlich den Nahtoderfahrungen, andere schweben durch einen Tunnel, erblicken Lichtwesen oder vorangegangene Verstorbene. Im Sterbeprozess geht es darum, den göttlichen Funken in sich zu erkennen, durch den wir immer mit Gott verbunden sind. Durch den göttlichen Funken des höheren Selbst sind wir schon jetzt mit dem Göttlichen verbunden. Wer durch Ruhe und Stille damit in Kontakt tritt, wird die Erfahrung machen, dass wir ein Teil dieser Liebe sind. Im Sterbeprozess werden die nicht erledigten und verdrängten Dinge unseres Lebens bewusst. Es stellt sich die Frage, ob wir Liebe gegeben haben oder zurückgehalten haben. So mancher sehnt sich noch in den letzten Lebenstagen nach Aussöhnung und Aussprache. In den gegenwärtigen Sterbeprozessen der älteren Generationen tritt der nicht bewältigte Zweite Weltkrieg an die Oberfläche des Bewusstseins. Krieg, Flucht, Hunger, Vertreibung haben ihre Spuren hinterlassen, auch in den nachkommenden Generationen. Es ist an der Zeit, durch Verständnis, Vergebung und Verzeihen können die Spätfolgen des Krieges endlich aufzulösen und sich mit dem Wissen über den inneren Sterbeprozess auseinanderzusetzen.

Wenn wir uns in Konfliktsituationen fragen würden was die Liebe tun würde, würden wir uns nicht länger verstricken in unsere Sorgen, Ängste und Erwartungen. Dann brauchen wir nicht alles persönlich nehmen, da wir den anderen annehmen wie er ist. Nahtoderfahrungen und Sterbeprozesse verweisen darauf, dass Liebe die einzige wahre Wirklichkeit ist. Gott verurteilt nicht, noch straft er, sondern wir sind in ihm immer geborgen, da wir ein Teil von ihm sind. Der Mensch ist vom innersten Seelenkern seiner Persönlichkeit her unsterblich.

 

engmann_webNahtoderfahrungenspiegeln ureigene Ängste,
Wünsche und Sehnsüchte wider

NTE aus der Sicht des Neurologen Dr. med. Birk Engmann

Berichte über Menschen, die eine Tuchfühlung mit dem Jenseits vorgaben, sind bereits aus der Antike, vor allem aus der Spätantike, überliefert. Sicherlich sind solche Erfahrungsberichte so alt wie die Menschheit selbst bzw. solang religiöses Empfinden einen zentralen Platz in der Weltsicht der Menschen einnimmt. Explizites Wissen über die Bestimmung des Menschen und die »letzten Dinge« stoßen immer dann auf eine große gesellschaftliche Resonanz, wenn es gilt, Glauben zu festigen – wie in der Spätantike – oder die Zeit von Ängsten geprägt ist – wie zur Scheintoddebatte Anfang des 19. Jahrhunderts, in der man durchaus den Beginn der wissenschaftlichen Nahtodforschung sehen kann. Der Bogen spannt sich bis in unsere heutige Zeit, einhergehend mit einem Verlust traditioneller Glaubensvorstellungen und dem zunehmenden Einfluss esoterischer Strömungen, die den Glauben durch den pseudowissenschaftlichen Beweis zu ersetzen suchen.

Auf diesem Feld sind Nahtoderfahrungen tatsächlich prädestiniert, bilden sie doch die vermeintliche »Schnittstelle« von Diesseits und Jenseits. Mittlerweile werden hierbei immer häufiger Erfahrungsqualitäten eingeordnet, die eigentlich gar nicht an einen überstandenen »nahen Tod« gebunden waren, sondern eine Vielfalt von Phänomenen, die unter verschiedensten Bedingungen auftraten, wird unter dem Begriff »Nahtoderfahrungen« vermischt. Das erschwert natürlich eine konstruktive Herangehensweise. Insofern beginnt alle Erörterung immer mit der Frage, ob die richtigen Kategorien bzw. Begriffe etabliert wurden, mit denen man arbeiten wird.

Wir sehen uns dabei folgenden Problemen gegenüber:
• Die gleichen Wahrnehmungen können durch verschiedene Prozesse hervorgerufen werden.
• Gleichen Prozessen im Gehirn können wiederum verschiedene Auslöser zu Grunde liegen.

Kein Wunder also, dass sogenannte »Nahtoderfahrungen« in der Literatur nicht allein von Menschen, die einen klinischen Tod überlebten, geschildert werden, sondern auch von Menschen mit Drogenkonsum, Medikamenten, neurologischen oder psychischen Krankheiten, Narkosemitteln u.v.a.m. Diese selbst in der esoterischen Literatur nie geleugneten Tatsachen machen den Begriff »Nahtoderfahrungen« aus streng wissenschaftlicher Sicht entbehrlich. Betrachtet man nun solche im engeren Sinne, also Erfahrungsqualitäten, die bei einigen wenigen (!) Menschen an einen klinischen Tod gebunden waren, so ergibt sich folgendes Modell: Eine gewisse Vorprägung, d.h. besondere neuropsychologische »Fähigkeiten« sowie die Schwere des Ereignisses erhöhen das Risiko, dass im Falle eines Herzkreislaufstillstandes Erfahrungsqualitäten – szenisches Erleben, außerkörperliche Erfahrungen usw. – hervorgerufen werden.

Einige solcher Erfahrungsqualitäten treten häufiger auf als andere, was möglicherweise damit zusammenhängt, dass manche Hirnregionen empfindlicher auf einen Herzkreislaufstillstand reagieren. Ein Problem ist, dass die neuropsychologischen Vorgänge im klinischen Tod nicht messbar sind, was künftig so bleiben sollte, denn die Reanimation hat immer absoluten Vorrang! So lassen sich die Erklärungsmodelle nur herleiten, in dem man von bekannten Phänomenen auf Unbekanntes schließt. Außerdem werden Erinnerungen mit zunehmenden zeitlichen Abstand zum Ereignis verändert, ergänzt oder umgedeutet; so bleibt bei lang zurückliegenden Erfahrungsberichten die Frage nach dem »realen Kern« oftmals offen.

Diese Dinge erschweren eine sachliche Nahtodforschung, aber vor allem gilt es dabei zu beachten: Wissenschaft und Glaube sind zwei unterschiedliche Kategorien. Auf der einen Seite steht die legitime spirituelle oder religiöse Auslegung seitens des Betroffenen, auf der anderen Seite hilft die Wissenschaft, allzu oberflächliche Schlüsse und manche Dogmen zu hinterfragen. Insofern drehen sich die seit Jahrhunderten bestehenden Diskussionen um Nahtoderfahrungen letztlich um das Beweisen-Wollen des Übernatürlichen, spiegeln aber vielmehr ureigene Ängste, Wünsche und Sehnsüchte wider.

 

Liebe Leserinnen und Leser! Welcher Beitrag hat Sie mehr überzeugt? Und was denken Sie über das Phänomen der Nahtoderfahrungen? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar und danken Ihnen schon im Voraus für Ihre Meinung zu einem der spannendsten Themen unseres Lebens.

 

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Written by Thomas Schmelzer

Thomas Schmelzer beschäftigt sich seit 20 Jahren mit ganzheitlichen Themen. Der Gründer von mystica.tv schreibt als Autor für diverse Magazine, moderiert Kongresse und ist Redakteur bei „raum&zeit“.

1 comment

  1. Sehr geehrter Herr Schmelzer
    Wer ein ´Sterbeerlebnis´ hatte, muss danach eine Leiche sein – sonst war es kein Sterbeerlebnis! Der Theologe Prof. Dr. Hans Küng ging deshalb schon vor über 35 Jahren davon aus, dass sich NTEs naturwissenschaftlich erklären lassen -für ihn waren NTEs noch nicht einmal spirituelle Erfahrungen.
    ´Außerkörperliche Erfahrungen´(AKEs) kann man bei gesunden Menschen innerhalb von Sekunden im Gehirnscanner erzeugen und vermessen. (DOI: 10.1016/j.cub.2015.03.059 bzw. http://www.sciencedaily.com/releases/2015/04/150430124107.htm ´Brain scan reveals out-of-body illusion´.
    Weil AKEs am Anfang, zwischendurch bzw. am Ende von NTEs berichtet werden, sollte man davon ausgehen, dass die erlebenden Personen dabei genau so geistig klar bei Bewusstsein waren – wie die Versuchspersonen des Karolinska Instituts.
    ABER: ausgerechnet die Annahme, dass man eine NTE bei geistig klarem Bewusstsein erlebt, wurde von der NTE-Forschung bisher nie in Betracht gezogen. Und dies, obwohl Dr. Moody seit 1975 in seinem Buch ´Leben nach dem Tod´ darauf hinweist, dass man parallel zur NTE die Umgebung klar und deutlich wahrnehmen kann (Kapitel ´Das Lichtwesen´).

    Wenn aber ausgerechnet die naheliegendste Annahme für wissenschaftliche Arbeiten nicht in Betracht gezogen wird, muss man von vorsätzlicchem wissenschaftlichen Fehlverhalten bzw. Betrug sprechen.
    Per Google-suche DOI: 10.5281/zenodo.15455 .15532 bzw. .15525 finden Sie Kurztexte, mit einem neuen Erklärungsmodell für NTEs, mit einer Beschreibung von ´Denken/Kreativität´ als Mustervergleich und mit dem Betrugsvorwurf gegen die bisherige NTE-Forschung.
    Mein Buch/e-Buch dazu ist im Handel erhältlich;
    Kinseher Richard: Pfusch, Betrug, Nahtod-Erfahrung
    (Mein Erklärungsmodell wurde auf Basis des seit 1975 im Handel erhältlichen Buches von Dr. Moody ´Leben nach dem Tod´ erstellt – damit dokumentiert wird, dass NTEs schon damals erklärbar gewesen wären.

    Aus meiner Sicht ist das, was die NTE-Forschung seit 1975 geleistet hat, der wohl schlimmste Fall von wissenschaftlichem Fehlverhalten der letzten Jahrzehnte.
    Aus meiner Sicht kann man im Rahmen von NTEs bewusst erleben, wie das Gehirn einen einzelnen Reiz(Gedanken) systematisch und strukturiert verarbeitet. Dies ist ein einzigartiger Zugang zum Verständnis der Arbeitsweise des Gehirns – der aber nicht erforscht wird. Somit fehlen wichtige Erkenntnisse, die man brauchen würde, um die mit der höheren Lebenserwartung auftretenden Störungen (Demenz) behandeln zu können.

    Mit freundlichem Gruß
    Kinseher Richard

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