Zentral im Herzen der Altstadt des Tiroler Städtchens Seefeld gelegen, begrüßt uns das Team vom Klosterbräu ausgesprochen herzlich und zuvorkommend. Nachdem man unser Gepäck aufs Zimmer getragen und den Wagen geparkt hat, lädt man uns auf einen obligatorischen Begrüßungsdrink an die Bar des Hauses. Für Raucher gilt die erfreuliche Regel: Hier darf außerhalb der Frühstückszeiten auch mal dem blauen Dunst gefrönt werden. Der Barkeeper gesteht uns bei einem gemütlichen Plausch: »Wir versuchen, uns nicht zu Lehrern zu erheben und unsere Gästen nicht zu bevormunden. Solange dies niemanden stört, versteht sich.«

Das Klosterbräu, vielleicht eines der schönsten Hotels Österreichs, war einst ein echtes Kloster. Noch heute wird hier – wie zu den Zeiten der Mönche – ein bernsteinfarbenes Bier auf Malzbasis gebraut, das sich die Gäste entweder bestellen oder im Spa-Bereich gleich eigenhändig zapfen können. Hotelbesitzer Alois Seyrling verrät uns die Philosophie des traditionsreichen Hauses, das sich getreu dem Motto »Gastgeber mit Herz und Seele« seit 200 Jahren im Familienbesitz befindet: »Wir bemühen uns täglich darum zu beweisen, wie harmonisch sich Tradition, regionaler Bezug, Schonung der Ressourcen sowie zeitgemäße Innovation und Weltoffenheit miteinander verbinden lassen.«

Als wir unser Zimmer betreten, sind wir angenehm überrascht. Nirgendwo lässt sich die von Herrn Seyrling beschworene Mischung von Luxus auf der Höhe der Zeit und bodenständiger Gemütlichkeit so gut beobachten wie in den privaten Unterkünften: In hellem Holz gehaltene Möbel und stuckierte Säulen gehören ebenso dazu wie ein modern gestaltetes Bad mit eigener Räumlichkeit für Toilette und Bidet und eine Musikanlage, die sich punktgenau auf die verschiedenen Räume hin steuern lässt. Das großzügig geschnittene Zimmer – wir hatten das Vergnügen, im Doppelzimmer Royal zu übernachten – hält hinter der Terrassentür noch eine weitere Überraschung für uns bereit: Nach vorne raus zentral an der Hauptflaniermeile der Altstadt gelegen, hat man von den großzügigen Balkonen aus einen bezaubernden Blick in die Natur mit ihren bewaldeten Bergen und verschlungenen Wanderwegen.

Nachdem wir uns einen ersten Überblick über das Zimmer und das restliche Haus verschafft haben, zieht es uns Richtung Abendessen. Gemäß des traditionsreichen Trinkspruchs »Edamus, bibamus, gaudeamus!« (»Lasst uns essen, trinken, fröhlich sein!«) stehen dem hungrigen Gast gleich fünf verschiedene Lokalitäten zur Verfügung. Wir entscheiden uns für den Klosterhof, der in einen A-la-carte- und einen Halbpensionsbereich aufgeteilt ist. Unter freiem Himmel lassen wir ein Sechs-Gänge-Menü über uns ergehen, das es in sich hat: Nach einer Auswahl von Salaten vom exzellenten Büffet werden uns nacheinander ein Hinterschinken mit zweierlei Sellerie, ein Rinderconsommé mit Fritattenroulade und ein Kalbsrahmgulasch mit Serviettenknödel serviert. Für fast jeden Gang steht eine Alternative zur Verfügung, vegetarische Gerichte natürlich eingeschlossen. Den Abschluss der Gaumenfreude bildet ein Bananenmousse mit Passionsfrucht sowie eine exzellente Käseauswahl.

seinsart | Genuss in Klostermauern

 

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen von Wellness und Entspannung. Das Klosterbräu verfügt neben seiner bekannten Küche über einen Spa, der den internationalen Vergleich kaum zu scheuen braucht. Das besondere daran: Die Familie Seyrling nimmt die Tradition des Hauses ernst und hat sich darum bemüht, die noch immer in den alten Klostermauern spürbare Spiritualität mit den Bedürfnissen eines modernen Erholungstouristen zu verbinden.

Das Ergebnis ist ein wohl einzigartiges »Spiritual Spa« mit zahlreichen Oasen und Anwendungen, vom Außenpool mit Sonnen-Bistro über ein ganzjährig nutzbares Schwimmbecken im Kern der Anlage bis hin zum orientalisierenden Rasul-Bad mit beheizten Stühlen und abschließendem Regen. Der urtümlichen Architektur des Gebäudes ist es zu verdanken, dass die Erforschung des Spas bereits ein Erlebnis für sich ist: Statt kalter klarer Linien, Glas und Beton verbergen sich viele der zahlreichen Räume und Becken in den verwinkelten Kellern der ehemaligen Klosteranlage. Dass die christliche Vergangenheit des Hauses keine Fassade bleibt, dafür sorgt neben ruhiger gregorianischer Musik und klösterlicher Antiquitäten auch ein augenzwinkernder »Sündenkerker mit Bierwunder«, ein Meditationsraum und eine zum Entspannungsraum umfunktionierte, aber noch immer betriebsbereite Klosterbäckerei.

Das anspruchsvolle Lichtkonzept, die liebevolle Ausstattung und der gepflegte Zustand der Räume machen den Besuch in diesem Spa zu einem wirklich sinnlichen Erlebnis. Ohne andere Teile der Anlage vernachlässigen zu wollen, möchte ich hier doch ein paar der Einrichtungen besonders hervorheben: Die Fußmassage durch die »Tiroler Knabberfische« (welche ich unter anderem Namen bereits letzten Sommer in einem Spa auf der Insel Zakynthos angetroffen habe), der in einzelne Abteilungen unterteilbare und mit Kopfhörern ausgestattete »Lese- und Schlafraum« sowie die mit Leselampen und gemütlichen Kissen bestückten Wasserbetten im mittleren Poolbereich. Liebevoll zusammengestellter Luxus, der viel dazu beiträgt, dass sich die Entspannung des Körpers auch auf den Geist überträgt.

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Den absoluten Höhepunkt unseres Aufenthalts aber bildet unser Besuch im ebenso individuell wie stilsicher eingerichteten Bereich für die Klostermassagen. Die Fülle des Angebots hatte die Wahl nicht einfach gemacht. Doch kaum befinde ich mich in der Obhut der Physiotherapeutin Bärbel Meininger, weiß ich, dass ich mich richtig entschieden hatte. In eine Mönchskutte gekleidet entzündet sie eine neue Kerze für mich am »Licht des Lebens«. Danach führt sie mich in den verführerisch duftenden Behandlungsraum (dessen geschmackliche Note ich zuvor selbst wählen durfte), und verwöhnt meinen verspannten Körper 80 volle Minuten lang auf einer angenehm erwärmten Quarz-Sandliege. Durch die klanglichen und optischen Akzente des Raumes wird die »Spiritual Hands« genannte Massage mit ihren wohltuenden Knet-, Streich- und Klopftechniken zu einem – im wahrsten Sinne des Wortes – ganzheitlichen und zutiefst inspirierenden Erlebnis.

Meine Begleiterin unterzieht sich in der Zwischenzeit bei Kosmetikerin Eveline dem »Ritual der Sinne«, einer Gesichtsbehandlung mit der exklusiv im Klosterbräu verwendeten, hochwirksamen Naturkosmetiklinie »Eminence«. Nach einem sanften Peeling folgt eine wohltuende Gesichtsmassage mit einer zart duftenden Creme. Kleine Problemzonen der Haut werden mit kühlenden Cremes behandelt, und die anschließend aufgetragene Gesichtsmaske rundet die Behandlung ab – ein wahres Schönheitsbad für jedes Gesicht!

Als wir uns zum Abendessen – diesmal im Gewölbesaal des Hauses – wieder treffen, sprechen unsere verträumten Augen Bände: Dieses Haus kümmert sich wahrlich um Körper, Seele und Geist zugleich, wie mir auch mein angeregtes Gespräch über die spirituellen Traditionen der Welt und die langwierige, aber erfüllende Suche nach dem individuellen Weg mit Frau Meininger bestätigte.

Unser Fazit: Ein Besuch im Klosterbräu kommt einem Ausflug in längst vergangene Tage gleich. Das royale Ambiente, die klösterliche Stille, die kraftvolle Natur und die freundlichen und stets hilfsbereiten Mitarbeiter schenken dem Reisenden eine kostbare Gelegenheit, seine Gedanken von den Sorgen des Alltags zu lösen und sich auf den Kern seines Lebens – seine Seele und ihren individuellen Weg – zu konzentrieren. Wie lautet doch das Motto des Spas? »Die Reise ist zu Ende – Sie sind angekommen.« Und sei es auch nur für ein paar unbeschwerte, unvergessliche Tage.

seinsart | Genuss in Klostermauern

 

HOTEL KLOSTERBRÄU ***** & SPA
Klosterstraße 30
A-6100 Seefeld (Tirol/Österreich)
Tel. +43/5212/26210
www.klosterbraeu.com
anfrage@klosterbraeu.com

4000 m² Spiritual Spa mit verschiedenen Saunen, Dampfbädern, und
Entspannungsbereichen und zwei »Private Ritual Spas« für frisch und
noch immer Verliebte, beheizter Außen- und Innenpool, Kraftort im
Klostergarten, nahe gelegene Wanderwege.
Preise (Doppelzimmer): zwischen € 119,- und € 235,-

Zusatzangebote (Auswahl):
Yoga im Klosterbräu, Urlaub mit Hund, Führungen durch historische
Gemäuer, Weinverkostungen, Ausflüge zu Schlössern und Burgen

Written by Michaela Hellborn

Michaela Hellborn arbeitet als Lektorin für Zeitschriften und Online-Magazine. Die leidenschaftliche Mutter und Sportlerin wechselt ab und zu die Seiten und schreibt Beiträge zu Gesundheit, Psychologie und Wellness.

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