seinsart | GrumpyBobEs ist also da, das neue Jahr. Manche haben reingefeiert; manche haben bemerkt, dass es da war, als sie aus dem Berghain kamen. Wie dem Instagram-Account von seinsart zu entnehmen ist, habe ich der ersten Gruppe angehört: gemütliches Beisammensein mit Freunden, Familie und … Hund. Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich das neue seinsart-Maskottchen entdeckt: Grumpy Bob alias Grumpy Dog hat die Herzen der Facebook-Fans mit seinem einzigartigen Blick im Sturm erobert.

Was mich ob der digitalen Beliebtheit viraler Katzen- und Hundevideos immer wieder verwundert: Wenn wir die Tiere so lieben, wie das in sozialen Medien den Anschein hat, warum behandeln wir sie dann so oft so schlecht? Während meiner Berlinreise gab es viele neue Bekanntschaften mit wunderbaren Vierbeinern – von denen ein erschreckend hoher Anteil aus Tierheimen stammt. Was einerseits für die Leute spricht, die diese adoptiert haben, aber andererseits den Blick auf ein Thema freigibt, mit dem es sich dringend zu beschäftigen gilt.

Laut einem aktuellen Artikel der BZ landete im vergangenen Jahr alle 87 Minuten ein Tier im Heim der Bundeshauptstadt – wesentlich mehr als zuvor. Dass dieser Trend leider nicht nur auf Berlin beschränkt ist, wird von weiteren Artikeln (und hier) bestätigt. In „kritischen“ Zeiträumen wurden bereits Gegenmaßnahmen ergriffen: So wurde in vielen Tierheimen beispielsweise vor Weihnachten ein Vermittlungsstopp verhängt. Dieses Jahr scheint diese Idee zumindest in Berlin gewirkt zu haben; bislang sind weniger Tiere nach den Feiertagen abgegeben worden als die Jahre davor.

 

Hab ein Tier, bleib gesund

Dabei belegt sogar die Wissenschaft, wie zuträglich ein Tier für das Befinden eines Menschen sein kann. Sowohl die psychische als auch physische Gesundheit kann durch ein Haustier spürbar verbessert werden.

So binden tiergestützte Fördermaßnahmen, Pädagogik oder Therapien seit vielen Jahren gezielt verschiedene Gattungen in die Behandlungen der Patienten mit ein. Besonders bei der Behandlung von Kindern werden gerne Vierbeiner genutzt. Die Anwesenheit oder der physische Kontakt wie Streicheln wirkt sich stressreduzierend aus. Bei einer Studie  waren die Probanden in Anwesenheit von Tieren in Stresssituationen sogar entspannter als in der Anwesenheit ihrer jeweiligen Partner. Gemessen wurden Pulsfrequenz und Blutdruckwerte.

Nicht nur für Alleinstehende kann ein Haustier als seelischer Beistand und Freund dienen, dem man alles anvertrauen kann; es erhöht auch das Wohlbefinden und verringert Gefühle von Einsamkeit und Isolation. Durch Spaziergänge erweist sich die Tierhaltung auch auf sozialer Ebene als nützlich: Schnell ergeben sich Gespräche und neue Kontakte werden geschlossen.

Der positive physische Effekt ist sogar noch offensichtlicher: Gerade bei Hunden wird der regelmäßige Ausgang vom Zwang zum Vorteil für die Gesundheit. Die Regelmäßigkeit der Bewegung kann langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren. Physische Aktivität an der frischen Luft ist gut für den Köper. Doch nicht nur Herrchen und Frauchen profitieren: Selbst der Nachwuchs kann von einem tierischen Familienmitglied positive Wirkungen erfahren. Abgesehen von der emotionalen Bindung kann das Risiko von Tierhaarallergien verringert werden. Außerdem wird ein respektvoller und verantwortungsvoller Umgang mit einem weiteren Lebewesen erlernt, was im späteren Leben von Vorteil ist.

Dass diese Forschungsergebnisse nicht von der Hand zu weisen sind, unterstützt die wirtschaftliche Akzeptanz und „Verarbeitung“ dieser Einsicht: es gibt sogar einen Bundesverband für Bürohunde (http://bv-bürohund.de/). Auf dessen Internetseite gibt es zahlreiche Studien und Erläuterungen zu positiven Auswirkungen eines Tieres im beruflichen Umfeld.

 

Vor- und Nachteile abwägen

Wie bei allen Angelegenheiten gibt es jedoch auch eine Kehrseite zu bedenken. Die Missachtung der Verantwortung, die man bei der Anschaffung eines Tieres übernimmt, führt oft zu Frust oder Tierheimabgaben. Natürlich hat die Tierhaltung auch seine Nachteile. Je nach Spezies ist das neue Familienmitglied mehr oder weniger stark an seinen Besitzer gebunden. Je exotischer die Art oder je eigensinniger das Tier ist, desto schwerer oder gar nicht kann es an Freunde oder Familie übergeben werden. Das erschwert Urlaubsplanungen oder verringert die Flexibilität.

Können Bekannte oder Verwandte als Pflegefamilie dienen oder fallen sie eventuell wegen Phobien oder Allergien aus? Wenn niemand das Tier aufnehmen kann, kann jemand mit Wohnungsschlüsseln vorbeikommen, um für Futter oder ein wenig Ansprache zu sorgen? Wenn Sie hier keinerlei Optionen haben, sollten Sie sich die Anschaffung eines Tieres vielleicht noch mal überlegen – Tierpensionen bieten zwar eine Alternative, sind aber nie dasselbe wie persönliche, ungeteilte Fürsorge.

Auch der Kostenfaktor muss bedacht werden. Der beste Freund des Menschen ist in guten und in schlechten Zeiten für seinen Besitzer da – und dieser sollte es ebenfalls sein. Impfungen und Vorsorge in Form von gesundem und artgerechtem Futter können viele Krankheiten vermeiden; im schlimmsten Fall muss man aber auch in der Lage sein, ein krankes Tier zu pflegen oder ihm ärztliche Hilfe zukommen zu lassen. Krankheiten sind nicht selten Ursache für das oben zitierte Aussetzen von Tieren.

Bedenken Sie besser vorher, inwiefern Sie ein Tier versorgen können. Wie beim Menschen kann man nicht alles im Vorhinein erkennen, Allergien und versteckte chronische Krankheiten können zunächst unentdeckt bleiben. Zwar sollte die Anschaffung nicht am Mangel eines finanziellen Polsters scheitern, jedoch ist es sinnvoll, dieses Szenario einmal durchgespielt zu haben.

 

Gute Vorsätze 2016 – ein Tier adoptieren

Wer nach genauer Untersuchung seines Verantwortungsbewusstseins, seiner Lust und seiner Kapazitäten zu dem Schluss kommt, einem tierischen Genossen ein Zuhause zu bieten, der kann zum Jahresbeginn noch folgendes bedenken: Gleich mehrere Punkte der ewigen Bestenliste der guten Vorsätze können so abgearbeitet werden. Stressabbau, mehr Bewegung und damit abnehmen.

Wenn niemand mitmachen will, wird sich ein Hund sicher gerne anbieten, mit Ihnen laufen zu gehen. Auch wenn er noch so grumpy dreinschauen kann – als treuer Freund und loyaler Begleiter ist er einfach unschlagbar.

 

Bild: parafly

 

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Written by Alexander Frühbrodt

Alexander Frühbrodt arbeitete nach seinem Medienstudium für internationale Filmproduktionen. Der Marketingbeauftragte von seinsart schreibt als freier Autor über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

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