„Was…??? Du bist Veganer?!“ Die Reaktionen auf mein Essverhalten ähneln sich: Viele meinen, es wäre nicht gut für die Gesundheit, auf Fleisch, Eier, Käse und Co. zu verzichten. Scheinbar haben uns das die großen Lebensmittelkonzerne so lange eingetrichtert, bis wir es flächendeckend glauben. Niemand hinterfragt, wieso wir es für selbstverständlich halten, wie die Raubkatzen Fleisch zu essen oder Milch von Kühen zu trinken. (Über die gesundheitlichen Risiken durch den Konsum tierischer Produkte habe ich bereits im letzten Beitrag berichtet.)

Wir haben heutzutage das Glück, dass alle Nahrungsmittel immer verfügbar, reichhaltig und günstig sind. Es ist absolut easy, sich vegan zu ernähren! Immer mehr Menschen sind, trotz ihrer Bedenken, daran interessiert, etwas über Veganismus zu erfahren. Daher möchte ich in diesem Artikel ein paar grundlegende Fragen und Vorurteile aufgreifen, auf die ich immer wieder stoße:

 

1. Wie willst Du dann Proteine bekommen? 

Gute Frage…  Scheinbar denken die meisten Menschen, dass Proteine nur in Hähnchenbrust und Eiern enthalten sind. Folgende Lebensmittel liefern pflanzliche Proteine, die viel gesünder sind: Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Quinoa, Buchweizen, Haferflocken, Nüsse (Cashews, Walnüsse, Mandeln, Erdnüsse etc.), Kerne und Samen (Sonnenblumenkerne, Chia, Sesam), Tofu, Tempeh.

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Selbst Gemüse wie z.B. Brokkoli oder Spinat enthalten Proteine. Wenn man diese Lebensmittel gut kombiniert, kann kein Proteindefizit entstehen. Falls man (z.B. als Sportler) doch mal eine Extraportion Protein braucht, kann man auch problemlos Erbsen- oder Hanfprotein in einen Smoothie rühren oder als Backzutat verwenden.

 

2. Vitamine und Nährstoffe

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich denn jetzt meinen Vitamin- und Nährstoffhaushalt decke. Ähhhhm… Nun ja – Wodka, Weißbrot und Zuckerwatte sind in der Tat vegan. Wenn ich mich ausschließlich davon ernähren würde, wäre die Frage durchaus gerechtfertigt. Ich spreche aber von einer hochwertigen, gesunden, veganen Ernährung. Sie beinhaltet sehr viel Gemüse, Obst, Getreide- und Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte. Also all jene Nahrungsmittel, die voller Nährstoffe und Vitamine stecken! Da ist ein Nährstoffmangel fast ausgeschlossen.

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Wenn das noch nicht überzeugt, holen die Leute die Wunderwaffen Kalzium und Eisen raus. Aber selbst hier kann es kaum zu einem Defizit kommen, wenn man bunt und vielseitig isst. Es gibt sogar Säfte und Sojaprodukte, die mit Kalzium und Eisen angereichert sind. Kalzium steckt vermehrt in Brokkoli, grünem Gemüse, Sesam, Nüssen und Tofu. Eisen findet man ebenfalls in diesen Lebensmitteln und zusätzlich in Getreide, Quinoa, Reis, Hafer und Hülsenfrüchten (Linsen, Kichererbsen, Bohnen).

 

3. Vitamin B12 

Ja – es stimmt! Vitamin B12 ist sehr wichtig für den Menschen und kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor (vor allem in Innereien). Aber seien wir mal ehrlich: Selbst die meisten Fleischesser bevorzugen Hähnchenbrust oder Rindersteak im Vergleich zu den Top-Vitamin B12 Lieferanten wie Herz, Leber oder Niere. Somit kann es theoretisch auch bei Allesessern, den so genannten „Omnivoren“, zu einem Mangel kommen.

Vitamin B12 Mangel | seinsart

Während Allesesser oft an einem Magnesium- oder Folsäuremangel leiden oder nicht genügend Antioxidantien aufnehmen, sind Veganer eben meist schlechter mit Vitamin B12 versorgt. Man kann jedoch problemlos mit Vitamin B12 supplementieren, dies also in Form von Tabletten (z.B. wöchentlich) einnehmen. Ich finde, das kann man in Kauf nehmen, wenn man bedenkt, dass der vegane Lebensstil sonst so viele Vorteile bringt und dass sogar eine herkömmlichen Ernährung mit vielen Mangelerscheinungen einhergehen kann.

 

4. Dann darfst Du ja fast nichts mehr essen? (Nur noch Gemüse und Obst?!) 

Am Anfang bedarf es einer gedanklichen Umstellung. Vegan zu sein heißt nicht, nur noch Grünzeug und Obst zu essen oder Einbußen machen zu müssen. Ich glaubte anfangs auch, dass ich mich einschränken müsste und dass ich dadurch ab sofort ein totales Verlangen auf solche verbotenen Produkte (wie Eis, Pudding, etc.) haben würde. Aber genau das Gegenteil ist passiert: Mein Körper will Gesundes essen, heutzutage greife ich zu Obst, Trockenobst oder Nüssen – und nicht zu Süßem.

Vitaminmangel veganes Essen | seinsart

Und wenn man beginnt, sich mit Veganismus auseinander zu setzen, stellt man schnell fest, dass man wirklich alles auch komplett (!) vegan zubereiten kann: Pizza, Burger, Kuchen, Eis, Muffins, Pudding, Fondue, Schnitzel…. Es ist wirklich beeindruckend, wie authentisch viele Dinge schmecken und aussehen. Also keine Sorge – vegan sein heißt nicht, dass wir zu Kaninchen werden. Auch als Veganer kann man ab und zu die „Fast Food“ Varianten in vollen Zügen genießen.

 

5. Vegan ist kompliziert. 

Nichts ist kompliziert, wenn man es wirklich will! Vegan einkaufen und zu Hause zubereiten ist total leicht, hunderte von Internetseiten liefern Rezeptideen und Kochanleitungen. Man kann selbst entscheiden, was man auf Basis vollwertiger Lebensmittel kochen will.

Vegane Restaurants | seinsart

Vegane Restaurants gibt es in vielen Städten, man kann bei der nächsten Verabredung mit Freunden einfach mal anregen, dass man ein neues Restaurant ausprobiert. Wenn man dann doch im herkömmlichen Restaurant landet, kann man die Kellner bitten, anstatt der tierischen Produkte eine andere Beilage zu bringen oder das Joghurtdressing gegen ein Himbeer-Vinaigrette auszutauschen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich jedes Restaurant anpasst, wenn man nett darum bittet.

 

6. Fitter Körper und Klarer Geist 

Wer kennt das nicht – zum Mittag eine ganze Pizza und danach noch ein Tiramisu verdrückt. Uff… Erstmal ein Nickerchen – wo ist die nächste Couch? Nicht ohne Grund gibt es das bekannte „Fresskoma“. Das ist charakteristisch für eine Ernährung mit vielen tierischen Proteinen und Fetten: Sie liegen lange und schwer im Magen und werden nur langsam verdaut. Das bedeutet viel Arbeit für den Körper, er hat kaum noch Kapazität für andere geistige oder körperliche Aufgaben. Doof eigentlich, wenn man bedenkt, dass der Chef den Bericht schon morgen haben will oder man nur noch wenige Tage Zeit hat, für die Klausur zu lernen.

Vegan ist fit | seinsart

Der Vorteil einer veganen, meist weniger kalorienreichen Ernährung ist: man bleibt trotz eines ausgiebigen Essens klarer und fit im Geist und ist schneller wieder zu körperlichen und geistigen Leistungen bereit. Es bringt mehr Energie und Elan, das berichtet fast jeder, der auf einen veganen Lebensstil umgestiegen ist.

 

Und nicht nur unser Geist wird klarer, sondern auch unser Gewissen reiner! Jeder, der einem veganen Lebensstil folgt, reduziert das Leid der Tiere und die Grausamkeiten, denen diese ausgesetzt sind. Welch ein gutes Gefühl ist es, einen veganen Burger oder Pudding zu schlemmen und zu wissen, dass man dadurch nicht zur Massentierhaltung beiträgt oder dass Tausende von Tieren sinnloserweise den Tod finden. Doch darüber, wie die Industrie heutzutage Tiere züchtet und hält, wie Fische gefangen werden und welche Opfer nötig sind, um morgens ein Frühstücksei zu essen, lesen Sie in meinem nächsten Artikel!

 

Bilder: Comfreak (Titel); forwimuwi73 (Nüsse); tookapic (Brokkoli/Paprika); Mizianitka (Tabletten); Framania (Trockenobst); Einladung_zum_Essen (veganes Restaurant); PublicDomainPictures (Fitness)

 

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Written by Jana Röhlinger

Jana Röhlinger studiert Psychologie. Wenn die ehemalige Kinderschauspielerin nicht gerade eine neue Sprache lernt, schreibt sie über gesunde Ernährung und ihre Erfahrungen als Globetrotter.

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