In jeder Speisekarte findet man heutzutage mindestens ein vegetarisches Gericht, und sei es nur der Ziegenkäsesalat oder eine Pizza Quattro Formaggi. Vegetarier sein ist in unserer Gesellschaft mittlerweile offiziell anerkannt. Sobald man aber sagt, dass man Veganer ist, fallen die Leute aus allen Wolken. Kein Fleisch, kein Fisch, keine Milchprodukte und keine Eier? „Wie geht das?“– „Wie bäckst Du dann einen Kuchen?“ – „Kaffee ohne Milch schmeckt doch nicht!“ – „Sonntags muss ein Braten auf den Tisch!“

Solche Reaktionen waren in meiner Familie, wo man gern mal 30 Euro für ein Steak ausgibt, vorprogrammiert. Als ich meiner Familie von meinem veganen Lebensstil berichtete, konnte ich die Antworten schon voraussagen: Meine besorgte Oma: „Mensch Mädchen, Du musst doch aber Proteine essen.“ Meine skeptische Mutter: „Na und wo willst Du Dein Fett herbekommen?“ Und der Rest dachte wahrscheinlich einfach nur, ich würde eine Diät machen.

Veganismus hat aber herzlich wenig mit Diät zu tun. Veganismus ist ein Lebens- und Ernährungsweise, bei der vordergründig versucht wird, auf jegliche tierische Nahrungsmittel zu verzichten. Stattdessen werden vermehrt pflanzliche Produkte, Vollwertkost und Hülsenfrüchte konsumiert. Auch Gedanken zu Nachhaltigkeit und zum Umgang mit tierischen Produkten (wie z.B. Ledertaschen) spielen bei einem veganen Lebensstil eine Rolle.

Darüber, was die vegane Lebensweise ausmacht, was man als Veganer isst,  welche Nährstoffe unser Körper braucht und welchen Vorurteilen man als Veganer immer wieder begegnet, werde ich im nächsten Beitrag ausführlich berichten. Da es jedoch sehr wichtig ist zu wissen, welchen Einfluss der Konsum tierischer Nahrungsmittel auf unsere Gesundheit hat, möchte ich meine vagene Artikelreihe mit diesem Thema starten.

Es gibt zahlreiche Studien, die den Zusammenhang zwischen tierischen Lebensmitteln und verschiedensten Krankheiten belegen. Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht, Gicht, Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber sogar Krebs, Hautkrankheiten und Alzheimer werden mit dem Konsum tierischer Produkte in Verbindung gebracht. Nicht nur die Tatsache, dass wir Fleisch, Fisch, Eier und Käse essen, sondern auch, dass wir viel zu viel davon konsumieren, ist problematisch. Im Folgenden seien einige Aspekte aufgeführt.

 

1. Krebs 

Sowohl tierische Proteine als auch Fette erhöhen das Risiko, an Krebs zu erkranken. Dies betrifft verschiedene Arten von Krebs, wie z.B. Leberkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Brustkrebs, berichtete das National Institute of Health (NIH), die weltweit größte medizinische Forschungseinrichtung.

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Laut Wissenschaftlern sind ca. 35% aller Krebserkrankungen auf unsere Ernährung zurückzuführen. Vor allem Rind- und Schweinefleisch sind problematisch, aber auch die in Milchprodukten enthaltenen Hormone können den Wachstum tumorartiger Zellen begünstigen. Auch die Zubereitung von Fleisch (Braten, Kochen und Grillen) kann zur Tumorentstehung beitragen, da durch das Erhitzen schädliche heterozyklische aromatische Amine entstehen.

 

2. Osteoporose 

„Milch und Käse sind wichtig für die Knochen“ höre ich meine Oma sagen. Milch wird als gesund propagiert und sei vor allem wegen seines hohen Calciumgehalts wichtig. Jain! Tatsache ist, dass Calcium wichtig ist für unsere Knochen. Milch kann jedoch krank machen.

Milchprodukte | seinsart

Studien fanden heraus, dass die Knochendichte durch Milchkonsum und andere tierische Produkte eher abnimmt. Wenn tierische Produkte im Körper abgebaut werden, entstehen zu viele Säuren. Um diese überschüssigen Säuren zu neutralisieren, setzt der Körper Calcium aus den Knochen frei, wir verlieren also unnötig Calcium. Dies wiederum kann zu Osteoporose führen.

 

3. Herzkreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle

Fett ist nicht gleich Fett. Und Fett ist nicht per se ungesund. Lediglich die gesättigten Fettsäuren in Fleisch, Wurst und Milchprodukten sind schädlich, da sie die Cholesterinkonzentration erhöhen.

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Der Körper selbst bildet ausreichend Cholesterin, benötigt also keine Zufuhr von Außen durch tierische Produkte. Im Gegenteil: Fleischesser liegen meist über der empfohlenen Höchstmenge. Cholesterin stellt ein Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle dar, da es den Blutstrom durch die Adern blockiert und Arteriosklerose begünstigt.

 

4. Haut

Viele Erwachsene haben Hautprobleme und sogar Entzündungen wie Neurodermitis. Die Schuld kann man nicht immer in der Genetik suchen. Auch unsere Ernährung trägt dazu bei, ob wir uns an einem schönen Hautbild erfreuen können. Ich persönlich habe auf Anraten meiner Ärztin auf Milchprodukte verzichtet und plötzlich waren Pickelchen kein Thema mehr für mich.

Kalb | seinsart

Nicht bei jedem müssen Milchprodukte sofort zu Pickeln führen, aber viele Studien haben einen Zusammenhang gefunden. Milch enthält Wachstumshormone (macht Sinn – immerhin sollen Kälber schnell wachsen). Durch die Hormone steigt der Insulinspiegel und es werden vermehrt männliche Hormone (Androgene) produziert, was wiederum die Talgproduktion ankurbelt. Die Folge sind Pickel. Wenn man mal darüber nachdenkt ist es sowieso seltsam, dass wir die Muttermilch von anderen Tieren trinken… und das bis ins hohe Alter. Kein anderes Lebewesen macht das!

 

5. Die Figur 

In Deutschland sind laut des Statistischen Bundesamts 52 Prozent aller Erwachsenen übergewichtig, jeder fünfte ist sogar adipös (BMI > 30). In den meisten Industrieländern sieht es ähnlich aus. Der Einfluss der Ernährung ist groß: Einerseits beinhaltet unsere Nahrung einen hohen Zucker- und Fettanteil (v.a. gesättigte Fettsäuren: Fleisch, Wurst, Butter, Käse, Palmfett, Süßes, Fast Food). Andererseits nehmen wir zu wenig nährstoffreiche, langfristig sättigende Lebensmittel auf. Wir werden dicker und unzufriedener und machen eine Diät nach der anderen.

Übergewicht | seinsart

Bei einer ausgewogenen, bewussten veganen Ernährung sind Diäten nicht nötig. Ich selbst bin schlank und war nie übergewichtig, aber mich vegan zu ernähren ermöglichte es mir, so viel zu essen wie ich möchte, bis ich satt bin, ohne mich zügeln zu müssen. Pflanzliche Lebensmittel haben (im Vergleich zu tierischen Produkten) eine hohe Nährstoffdichte (Menge eines Nährstoffes in einem Lebensmittel im Verhältnis zu dessen Kaloriengehalt). Beispiele sind Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse, Tofu und Hülsenfrüchte. Ich kann vergleichsweise viel mehr dieser Produkte essen, bei gleichem Kaloriengehalt, und nehme sogar mehr Ballaststoffe auf – die Folge ist: Man bleibt länger satt.

 

Ich könnte noch weiter darüber schreiben, wieso man auf eine gesunde, pflanzliche Ernährung umsteigen sollte. Fest steht: Wir können unserem Körper so viel Gutes tun, wenn wir tierische Produkte aus unserem Leben streichen. Stattdessen sollten wir uns vegan ausgewogen und vielseitig ernähren, frische Produkte zubereiten und gerne und mit gutem Gewissen essen. Unser Einkauf wird farbenfroher, das Kochen wird kreativer, die Verdauung besser, der Körper gesünder und der Geist klarer. Probieren Sie es aus!

 

Bilder: BarbaraALane (Milch); klimkin (Kuh); phouavang82 (Bacon); tookapic (Kalb); cocoparisienne (Übergewicht)

 

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Written by Jana Röhlinger

Jana Röhlinger studiert Psychologie. Wenn die ehemalige Kinderschauspielerin nicht gerade eine neue Sprache lernt, schreibt sie über gesunde Ernährung und ihre Erfahrungen als Globetrotter.

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