Lange Jahre arbeitete Peter König als Coach und Berater für Unternehmen und Manager. In dieser Zeit erforschte er das Wesen des Geldes und entschloss sich dann, sein besonderes Wissen über die Wirkkraft von Geld als Buchautor und in Seminaren an andere weiterzugeben. Wie dieses Wissen aussieht, verrät er uns am Telefon. Auf seiner Webseite erfahren Sie mehr über sein Buch »30 dreiste Lügen über Geld« und seine Seminare.

Herr König – steigen wir gleich einmal in die Vollen: Was ist Geld Ihrer Meinung nach denn nun wirklich?

Mein erster Vorschlag: Geld ist eine Idee, die man auf ein leeres Medium projiziert, also zum Beispiel auf Papier, auf Metall oder in den virtuellen Raum – denn das Geld auf unseren Konten befindet sich ja tatsächlich im virtuellen Raum. Eine andere Möglichkeit, Geld zu definieren: Geld ist das Medium selbst, auf das man Ideen projiziert.

Und Ihnen geht es darum, diese Ideen wieder ins Bewusstsein zu rücken?

Durchaus, doch ich behaupte nicht, dass meine Definition die letzte Wahrheit ist. Es ist nur ein Vorschlag, und für mich die nützlichste Definition von Geld, denn ich merke, dass viele Menschen in meinen Seminaren sehr davon profitieren. Das Bewusstsein darüber, dass man überhaupt definiert, ist enorm wichtig, denn jede Definition von Geld hat andere Konsequenzen im täglichen Leben. Die meisten Leute denken zum Beispiel, Geld sei ein Ding. Aber Geld ist kein Ding, es ist ein Versprechen! Und wenn man davon ausgeht, dass Geld ein Versprechen ist, kann man für jede Definition Beweise finden.

Okay, aber was ändert sich, wenn man diese Definition von Geld akzeptiert? Ich gehe doch immer noch in den Supermarkt und kaufe Lebensmittel, egal, ob mein 50-Euro-Schein nun ein Versprechen ist oder nicht. Warum also ist diese Definition von Geld so nützlich?

Bevor ich das beantworte, möchte ich noch eine weitere Definition vorstellen, damit Sie verstehen, worum es geht. Felix Martin, ein Amerikaner, hat ein Buch über Geld veröffentlicht, in dem er behauptet, Geld sei eine soziale Technologie. Ich sage hingegen, dass hier bereits drei Ideen auf das Medium projiziert wurden, und jeder Begriff bringt andere Konsequenzen für das eigene Leben und den Umgang mit Geld. Jedes Geld-Buch beginnt mit der persönlichen Geld-Definition des Autors. Im Anschluss wird diese Definition dann das ganze Buch lang bewiesen. Letztendlich hilft das den Lesern nicht. Wenn man sich jedoch erst einmal bewusst ist, dass es sich bei Geld um eine Idee handelt – egal welche – das hilft in allen Bereichen! Das werde ich Ihnen hoffentlich auch beweisen können. Denn Geld ist nur eine Projektion einer Idee, die ich im Kopf habe. Das entspricht einem kreativen Prozess: Wenn ich etwas in meinem Leben materialisieren will, beginnt das immer mit einer Idee und etwas Energie, die man heute gerne Leidenschaft nennt. Wenn ich mir der Idee hinter meiner Leidenschaft bewusst bin, dann werde ich sie realisieren. Doch wenn ich eine Idee habe, die mir nicht bewusst ist, und trotzdem Energie hineinstecke, dann realisiere ich etwas Unbewusstes, und das sind meistens Dinge, die ich gar nicht will.

Das heißt also: Wenn jemand unbewusst glaubt, Geld sei ein notwendiges Übel, wird es für ihn vermutlich immer problematisch sein, mit Geld umzugehen. Das könnte konkret bedeuten, dass er nie wirklich an Geld kommt, weil er Geld unbewusst verachtet.

Ein schönes Beispiel, denn ich habe in meinen Seminaren viele Menschen, die Geld für ein notwendiges Übel halten, ohne dass es ihnen bewusst ist. Und stellen Sie sich einmal vor, so jemand bekommt dann eine Erbschaft.

Das ist ja schön!

Das sagen Sie so! Doch jemand, der denkt, Geld sei ein notwendiges Übel, erhält mit dieser Erbschaft auch etwas Übles. Er schiebt dann unbewusst das Geld von sich weg, indem er es gleich ausgibt oder erst gar nicht zu sich heranlässt. Er übernimmt selbst keine Verantwortung, sondern gibt diese an eine Bank oder ein Finanzinstitut, und es geht verloren.

Was wäre also die optimale Art, so eine Erbschaft zu erfahren?

Man nimmt die Erbschaft zuerst an. Ganz bewusst! Lässt das Gefühl an sich heran.

Ein weiteres Beispiel: Geld und Selbstwert…

Der Selbstwert ist eine weitere Projektion auf das Geld, eine weitere Idee.

Angenommen, man verwechselt seinen Selbstwert mit Geld. Das könnte dann bei einem geringen Selbstwert zum Beispiel dazu führen, dass man zu wenig Geld bekommt, weil man unbewusst nicht glaubt, ein hohes Honorar oder Gehalt zu verdienen. Doch auch wenn man sich des Problems bewusst ist – mit dem Bewusstsein alleine ist man die Projektion doch noch nicht los. Was also tut man?

Genau diesen Prozess habe ich empirisch entwickelt und wende ihn in meinen Seminaren an: Zuerst schauen wir uns an, was die Menschen unbewusst auf ihr Geld projizieren, wie in diesem Fall den Selbstwert. Wenn das mein Problem ist, dann habe ich zum Beispiel als Freiberufler Schwierigkeiten, die Höhe meines Honorars richtig anzusetzen, denn je höher mein Honorar ist, umso mehr bin ich wert – das ist der Glaubenssatz dahinter. Und wenn mir jemand nicht diesen Betrag zahlen will, dann fühle ich mich entsprechend verletzt in meinem Selbstwert. Das Ziel muss jedoch sein, dass man nicht anhand seines Selbstwertes bezahlt wird, sondern aufgrund der Beziehung zum Kunden und natürlich dem Wert der Arbeit! Ich habe eine Methode entwickelt, in der wir mit der Macht von Wörtern arbeiten.

Also etwas wie Affirmationen?

Ja, eine Art von Affirmationen, ich nenne sie selbstbezogene Statements, die gezielt für die Situation und das Problem genutzt werden. Im Falle von Selbstwert schlage ich der Person folgenden Satz vor: »Ich bin unendlich viel wert – mit und ohne Geld«. Wenn es schwerfällt, diesen Satz zu sagen, dann deshalb, weil derjenige glaubt, dass er eine Lüge ist. Mein System nutzt jedoch gute Lügen, denn wenn man immer nur die eigene Wahrheit sagt, dann verändert sich nichts. Um etwas im Leben zu verändern, muss man sich selbst eine gute Lüge erzählen.

Das ist ja herrlich! Ihre Methode beinhaltet also nicht, in die Kindheit hineinzuschauen, um die Ursachen aufzuspüren, wie in einer Therapie, sondern Sie programmieren um, indem Sie dem Gehirn eine Lüge mitteilen, die dann irgendwann zur Wahrheit wird…

Ja genau! Ich nenne das Dekonditionierung. Der eigene Selbstwert ist jedem einprogrammiert worden, man wird damit nicht geboren. Mit diesem System dekonditionieren wir ihn. Wenn man diesen Satz sagt, dann muss man ihn nicht glauben, aber annehmen, im eigenen Körper spüren – das ist wichtig. Dann kommt man in einen inneren Prozess, etwas beginnt zu fließen, bis es integriert ist. Dann ist die Lüge auch keine Lüge mehr. Doch das ist nur die Hälfte der Arbeit. In der anderen Hälfte sagen wir das genaue Gegenteil: »Ich bin nichts wert«. Und auch das muss in den Körper hineinsacken. Dass wir uns selbst erlauben, nichts wert zu sein, wie ein Blatt im Wind oder ein Staubkorn im Universum. Viele meiner Seminarteilnehmer fühlten sich durch diesen Satz absolut befreit. Oft haben sie sich ein Leben lang bemüht, ihren Wert zu beweisen und nun fühlen sie, dass das gar nicht nötig ist. Denn wenn sie beweisen wollen, was sie wert sind, dann beweisen sie in Wahrheit das Gegenteil, nämlich, dass sie nichts wert sind… Indem man sie ermuntert, keinen Wert zu haben, dürfen sie einfach nur hier sein, ohne sich anstrengen zu müssen. Wenn ich total integriert habe, dass ich nichts wert bin und unendlich viel wert zugleich, dann kann man diese Wertfrage abhaken.

Tatsächlich? Das ist ja gar nicht so schwer….

(lacht) Genau! Eine schöne Überraschung, nicht wahr? Manche meiner Seminarteilnehmer haben jahrelang Therapie gemacht und sind dann ganz erstaunt, wie schnell das gehen kann!

Haben Sie einen Namen für Ihre Methode? Sie erinnert mich ein bisschen an NLP.

Ganz viele Menschen kommen zu mir und sagen, dass meine Methode sie an andere Methoden erinnert. Das freut mich immer, denn ich denke, das ist ein Indiz dafür, dass ich auf ein universelles Prinzip gestoßen bin. Ich nenne es die Rücknahme der Projektion. Ich erkläre Ihnen das einmal ausführlicher: Wenn man einen Teil von sich unbewusst negiert, projiziert man ihn nach außen, auf eine andere Person, die Gesellschaft, oder auch Geld. Zum Beispiel die Projektion: »Geld ist Sicherheit«. Wenn ich das unbewusst mache, dann bin ich tatsächlich ein Mensch, der chronisch unsicher ist. Mit der Rücknahme der Projektion nehme ich diesen Teil wieder zu mir. Das heißt also, wenn wir projizieren, machen wir etwas, das eigentlich unser Problem ist, an einem Menschen im Außen fest. Wenn wir das zu uns zurückholen, ist dann der Mensch oder eben das Geld nicht mehr damit belegt? Richtig. Damit befreie ich mich – und die andere Person oder das Geld gleich mit.

Was für Leute kommen eigentlich in Ihre Seminare?

Menschen aller Berufsarten und aller Vermögenslagen. Von hochverschuldet bis zum Milliardär. Vom Manager über die Hausfrau bis zum Arbeitslosen.

Nun gut, aber was für Probleme hat denn ein Milliardär mit Geld?

Die haben nicht weniger Probleme wie alle anderen. Sie machen sich zum Beispiel Sorgen, weil sie zu viel Geld haben oder ausgeraubt werden könnten. Es gibt da tatsächlich keinen Unterschied in der Intensität der Problematik. Es gibt jedoch einen gemeinsamen Nenner, den ich irgendwann herausgefunden habe. Ursprünglich dachte ich ja, ich brauche eine Zielgruppe – meine Kollegen aus dem Business. Doch dann habe ich mich entschieden, keine Zielgruppe zu suchen, sondern zu beobachten, wer sich von meiner Arbeit angesprochen fühlt, und das sind die Menschen mit dem höchsten Bewusstsein in der Geldgesellschaft. Menschen, die sich weiterentwickeln und selbstverwirklichen wollen, belegen für gewöhnlich alle Art von Kursen, machen Therapien oder praktizieren Yoga. Es scheint jedoch, das Thema Geld steht an letzter Stelle in der Selbstverwirklichung. Deshalb ist es für mich ein großes Privileg, dass eigentlich nur Menschen in meine Seminare kommen, die schon viel an sich selbst gearbeitet und daher ein hohes Bewusstsein haben. Für mich sind das die Leader der Gesellschaft – unabhängig davon, ob sie arbeitslos oder vermögend sind, denn sie alle sind schon so weit in ihrem Bewusstsein über Geld.

Da Sie gerade unsere Gesellschaft ansprechen: Was halten Sie von unserer Gesellschaftsform, dem Kapitalismus?

Man muss verstehen, dass unser jetziges System des Kapitalismus erst 350 Jahre alt ist und gemeinsam mit unserem Geldsystem geboren wurde. Es waren beides Konzepte aus dem Geist der Aufklärung. Die Idee dahinter war, die damals beginnende Industrie zu animieren, Risiken einzugehen und Wachstum zu schaffen. So hat man Zinsen und Zinseszinsen erfunden. Man brauchte auch Menschen für die Arbeit am Fließband, die also ihre eigene Kreativität zurückstecken würden, um in den Fabriken zu arbeiten. Und dieses Modell war ein fantastischer Erfolg, das muss man an dieser Stelle auch einmal sagen. Wir müssten sehr dankbar dafür sein – dass wir beide überhaupt am Telefon miteinander sprechen können, dass wir alle Computer, Zentralheizung und Toiletten haben, ist alleine dem Kapitalismus geschuldet. Es geht uns heute so viel besser als den Menschen vor 350 Jahren. Der Kapitalismus hat sein Versprechen gehalten, was den materiellen Profit angeht.

Hmm. Aber auch nur für bestimmte Länder der Welt, die Industriestaaten. Und inzwischen sind wir ja weit genug mit dem Kapitalismus, dass seine Schattenseiten deutlich zutage treten.

Ja, dazu komme ich jetzt: Die westlichen Länder haben in den 1970er-Jahren den Zenit dieses Systems erreicht. Die Problematik, die wir mit dem Kapitalismus haben, ist eine Bewusstseinsproblematik, denn wir haben das Ende dieser Phase nicht bemerkt. Wir waren so programmiert, dass wir dieses System als Lösung für alle Bereiche gesehen haben. Es funktioniert jedoch nur für die materiellen Bedürfnisse, nicht aber für die immateriellen. Die Menschen in meinen Seminaren fragen nicht nach einem neuen Auto, sie wollen Gefühl, Sicherheit, Glück, Frieden, Freiheit.

Also nein! Wenn man es ganzheitlich sieht, von der Ausbeutung unserer Erde oder der Armut mancher Länder weiß, dann kann man nicht wirklich behaupten, der Kapitalismus hätte für die materiellen Bedürfnisse funktioniert.

Sie haben natürlich Recht, denn seit den 1970er Jahren sind wir in einer Phase, die wir auf diesem Planeten noch nie erlebt haben. In der Aufklärung und auch noch später war die kollektive Idee von unserem Planeten so groß, dass man glaubte, man könnte ihn endlos ausbeuten. Erst in den letzten 40 Jahren sind uns die Grenzen der Erde überhaupt bewusst geworden.

Das stimmt! Es weiß nur niemand, was danach kommen soll….

Ich sehe, dass wir in einer Zwischenphase sind. Es ist ein Bewusstseinsprozess im Gange. Das System hat hervorragend für unsere Väter und Großväter funktioniert, denn sie wollten in erster Linie materielle Güter wie den ersten Fernseher oder das erste Auto. Das haben sie auch bekommen. Doch für die immaterielle Sicherheit funktioniert es eben nicht, und dafür fehlt den meisten noch das Bewusstsein. Bei der Bewusstseinsarbeit muss man ansetzen! Wenn wir begreifen, dass wir mit und ohne Geld sicher sind, dann brauchen wir dem Geld nicht so hinterherzurennen. Denn indem wir dem Geld hinterherrennen, nehmen wir anderen Menschen Ressourcen auf diesem Planeten weg. Also: Bewusstseinsarbeit. Die Menschen müssen verstehen, dass sie ihre immateriellen Bedürfnisse nicht mit Hilfe von Geld befriedigen können. Je bewusster ich bin, umso mehr lebe ich auch, umso mehr gehe ich meiner Bestimmung nach, oder einem spirituellen Lebensweg. Wenn ich einen chronischen Mangel spüre, werde ich zum Konsument und versuche, das Loch in mir mit materiellen Gütern zu stopfen.

Und Sie glauben, dass wir Menschen da in der nächsten Zeit hinkommen – zu einem höheren Bewusstsein?

Ja. Ich denke, dieser Bewusstseinsprozess beschleunigt sich gerade. Ich merke es an den vielen Anfragen, die auf mich zukommen. Am Anfang hat mich niemand verstanden. Dieses Gespräch hier wäre noch vor zehn Jahren unmöglich gewesen.

Ist es also eine Generationsfrage?

Vermutlich ja. Ich bin jetzt 67 und ich sehe viele Zwanzigjährige, die wesentlich weiter sind, als ich in dem Alter war, nicht nur in der Technologie, sondern auch im Bewusstsein. Das gibt mir Hoffnung! Es hat sich so viel getan. Es geht langsam, aber ich sehe eine Bewegung, die wächst. Leider kann man diesen Prozess nicht forcieren.

Eine letzte Frage: Angenommen, Sie hätten zwei Wünsche frei, einen für sich und einen für die Menschheit – was für Wünsche wären das?

Oooh! Danke für dieses Geschenk! (lacht) Mein persönlicher Wunsch ist es, einen guten Weg zu finden, um all die Anfragen, die mich erreichen, optimal bedienen zu können. Der Menschheit wünsche ich, dass all die Bewusstseinsarbeit, die schon geschieht, hilft, sie zu befreien, kreativ zu werden und in ihrer Kraft zu stehen. Wenn das wirklich eintreten würde, dann hätten wir kein planetarisches Ressourcenproblem mehr. Das ist die Lösung für alles.

Herr König, danke für das Gespräch.

Written by Michelle Schopen

Michelle Schopen ist seit 25 Jahren in den Medien tätig, zuerst als TV-Aufnahmeleiterin und Autorin, seit 2003 als freie Journalistin zu den Themen Psychologie, Gesellschaft, Kultur und Spiritualität.

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