Das war’s. 100 glückliche Tage gehen zu Ende, vielen Gedanken wurde nachgegangen, aber leider gab es zum Schluss keine Gratulation der Veranstalter mit einer netten Mail: Schön, dass Du es geschafft hast. Bei allen Zwischenfragen nach meinem Gemütszustand hätte ich das erwartet, aber vielleicht kommt diese Nachricht ja in den nächsten Tagen.

Ja, wirklich schön eigentlich, dass ich es geschafft habe.

Es ist an der Zeit, einen kurzen Rück- und Überblick anzustellen. Wagt man den Versuch, alle 100 Fotos auf Instagram zu kategorisieren und in einem Diagramm darzustellen, dann sähe das ungefähr so aus – meine ganz persönlichen Top 3 „Lebensglück“ lauteten:

  • Freunde/Familie (23%)
  • Filme (17%)
  • Essen (17%)

Hierbei muss man natürlich Überschneidungen berücksichtigen, sind doch viele Fotos in Begleitung von Freunden entstanden. Entsprechend sind diese hier die großen Gewinner. Familie ist leider wegen geografischer Distanz fast gänzlich ausgenommen – Fotos von Skype-Bildschirmen sind relativ uninteressant – und somit großzügig unter „Freunden“ mit aufgeführt.

Unter den weiteren täglichen Beiträgen ist der einzige wirklich absehbare Trend die Verbundenheit mit den Städten Barcelona und Berlin (und München, wenn man genau sein will). Das traute Eigenheim, Tiere (wären sicherlich mehr Fotos im Falles eines eigenen Haustieres) und weitere Kulturevents sind ebenfalls noch relativ auffällig vertreten.

Wie ist dies jetzt im Kontext der Happy Days zu sehen? Ein Blick auf die Fotos, die mit #100happydays gekennzeichnet sind, zeigt, dass mein Experiment recht normal verlaufen zu sein scheint:

  • Freunde & Familie (ja, prominent vertreten)
  • Kinder (nicht vorhanden, nicht vertreten)
  • Partner (vorhanden, aber auf eigenen Wunsch nicht explizit eingebunden)
  • Essen (immer gerne, und das sieht man ja auch!)
  • Künstlerisch anspruchsvolle Bilder (schon, aber meistens sind hier auch Freunde, Kinder, Partner oder Essen drauf)
  • Aber vor allem: Selfies, Selfies, Selfies (bevorzugt mit Duck-Face und/oder leicht bekleidet; dies allerdings mehr in den Sommermonaten; beides theoretisch möglich, aber auf Grund fehlender exhibitionistischer Ambitionen von mir bewusst nicht eingebaut)

 

Und hat das irgendjemanden interessiert?

Scheinbar schon. Nach dem erfolgreichen Kick-Off über das Glück im Allgemeinen sind die Beiträge zu den „klassischen“ Glücksfaktoren Freunde, Familie & Partnerschaft jedenfalls sehr rege gelesen worden. Doch im Allgemeinen überraschte mich das Interesse der seinsart-Community zumindest teilweise: Themen wie das scheinbar stets wichtige Geld, Freundschaften und die Qual der Wahl bei den guten Vorsätzen sind am Ende dem Narzissmus, Depressionen und dem Glück der Anderen unterlegen.

Ein kleines Ranking auch an dieser Stelle:

  1. Das Glück der Anderen (6. Woche)
  2. Ich bin so glücklich über mich (12. Woche)
  3. Wege aus der Hoffnungslosigkeit (13. Woche)
  4. Die Kunst, das Glück in Ruhe zu lassen (11. Woche)
  5. Ich arbeite, also bin ich… glücklich? (2. Woche)
  6. Familie gut, alles gut? (4. Woche)
  7. 100 Happy Days (Start)
  8. Liebes-Leben (5. Woche)
  9. Von Freunden und anderweitig verpartnerten Affären (3. Woche)
  10. Die Sache mit dem Glücklich machen (7. Woche)
  11. Countdown der guten Vorsätze (8. Woche)
  12. Vom Glück des Geldes (10. Woche)
  13. Eine Woche Happy (1. Woche)
  14. Kein Hund für eine Nacht (9. Woche)

Sollten Sie also einen davon noch nicht gelesen haben – jetzt wäre ein guter Moment, eventuelle Lücken im Kreuzworträtsel des Glückes zu füllen.

 

Was habe ich, der Autor, jetzt eigentlich davon?

Nun, zuerst einmal habe ich 100 Fotos mehr. Gute Erinnerungen schaden nie. Einige sind schön, einige sind wichtig, einige sind… Verlegenheitsfotos, machen wir uns nichts vor! Die Foundation lädt einen nun herzlich dazu ein, Teil der Glückskette zu werden. Lieblingsfotos wählen und warten, bis einem jemand Happiness schenkt – in Form von ausgedruckten Fotos, die man im Briefkasten vorfindet. Unvorbereitet, weil schöne Überraschungen am meisten Freude bereiten. Im Idealfall klinkt man sich hier mit einer Spende ein, um jemand anderen denselben Dienst zu erweisen.

Zweitens war ich tatsächlich täglich bewusst auf der Suche nach „dem“ Moment. Kein Tag sollte unbewusst vorübergehen, zumindest einmal am Tag wurde darüber ein wenig reflektiert. Hierbei muss das Highlight nicht immer ein besonderes einzigartiges Event sein – einen Sonntag einfach mal auf der Couch verbringen tut’s auch. Nur sollte man sich dessen richtig bewusst sein, um ihn auch vollkommen genießen zu können.

Zu guter Letzt hat man auch immer Gesprächsstoff. Bewusst Fotos zu machen, wenn man eigentlich nicht ständig am Knipsen ist, regt mehr Interesse an, als man anfangs denken könnte. Interessante und aufschlussreiche Gespräche über individuelle Vorstellungen von Glück (Ist es von internen oder externen Faktoren abhängig? Kann ich es selber schaffen oder ist es dem Zufall überlassen? Wo liegt für mich der Unterschied zwischen Glück und positiven Ereignissen?) können die Folge sein. Diverse Freunde, aber auch Zufallsbekanntschaften haben sich als Reaktion auf das Experiment für die eigene Teilnahme entschieden.

 

Und wie geht es weiter?

Unter weiteren Aktionen bieten die Happy Days Macher auf ihrer Internetseite die Initiative „Pepmail“ an. Je nach Wunsch wird man täglich oder wöchentlich mit einer Mail bedacht, die einen vor eine Aufgabe stellt. Als Beispiele werden „sich sieben Tage lang nicht beschweren“ oder „einen Verwandten anrufen, um ihm zu sagen, dass man ihn gerne hat“ genannt. Zusätzlich kann man seine eigenen Ideen mitteilen, die dann in den Aufgaben-Zirkel mit aufgenommen werden. Sollten diese kleinen Hausaufgaben für den Alltag nicht allzu extravagant ausfallen, können sie als Tipps und / oder Tricks durchaus hilfreich sein. Ich persönlich werde den „Pepmails“ eine Chance geben.

Was wird nun aus dem seinsart Instagram-Account? Es wird zweifelsohne ein vielseitiger Ort bleiben, voller Ideen, voller Inspiration und natürlich mit Bob, dem Grumpy Dog. Auch wenn Bob nicht immer so aussieht – er würde Sie gerne jeden Tag ein wenig glücklicher machen.

seinsart | Aus is! oder: Glücklich

 

Bilder: Alexander Frühbrodt

 

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Written by Alexander Frühbrodt

Alexander Frühbrodt arbeitete nach seinem Medienstudium für internationale Filmproduktionen. Der Marketingbeauftragte von seinsart schreibt als freier Autor über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

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