Am Sonntag trafen sich mehrere Tausend Menschen vor dem Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in München. Pressefahrzeuge aus England, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Tschechien und Polen bauen Burgen von Kameras und Satelliten auf.

Heute treffen sich die Münchner, um einander Kraft zu geben. Vor der McDonalds-Filiale an der Straße und vor dem OEZ stehen immer mehr Menschen. An den Stellen, wo das Schicksal gewaltet hat, legen sie Blumen, Kondolenzbriefe, Kerzen und Plüschtiere nieder.

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Die Stille wird ständig durch das Zusammenbrechen eines oder mehrerer Teilnehmer unterbrochen. Immer wieder hört man, wie jemand ein Interview gibt. Und immer wieder die gleiche Hilflosigkeit in den Aussagen der Menschen.

Die Jungs hatten sich ein Spezi gekauft und wollten draußen trinken. Dann kam er. Der Freund meines Sohnes konnte wegrennen. Meinen Jungen hat er getötet.

Junge Muslime legen am Rande des Geschehens ihre Gebetsteppiche aus und beten gemeinsam für die Opfer. Das erinnert an die ersten Titel der Zeitungen. War es nun ein Ali oder war es ein David? Die Antwort darauf kann ihnen sicherlich dieser buddhistische Mönch geben, der sich den Weg hierher gebahnt hat, um auf seine Weise zu kondolieren.

Hier in München kann man nicht mehr von einer religiös motivierten Tat sprechen. Ein Feigling hat Menschen getötet. Menschen, die sowas tun, kennen keine Religion. Keine Moral. Er hat nicht darauf geachtet, welcher Religion oder Gesinnung seine Opfer entspringen. Er wollte einmal in der Mitte stehen und gesehen werden.

Das wird er aber nicht. Denn man wird ihm diese Aufmerksamkeit nicht geben. Sein Name wird unter den Namen der Bedeutungslosen dieser Welt verscharrt. Das sind wir den Opfern und ihrer Angehörigen schuldig.

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Neun Menschen haben hier am Freitag ihr Leben gelassen. Neun Schicksale besiegelt. Neun Familien müssen nun damit leben, was ein geistig verwirrter Junge entschieden hat. Aus neun Richtungen wird der Amokläufer verflucht – aber nicht nur.

Dem Volk bleibt nach dieser Attacke nichts anderes übrig, als sich miteinander zu vereinen und zusammenzuhalten. Wieder und wieder und wieder.

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Nur einen Tag nach der Trauerfeier in München fing in Reutlingen jemand an, mit einer Machete um sich zu schlagen. Ein BMW-Fahrer beobachtete dies aus seinem Auto und fuhr ihn um. Dafür wird man ihm nun seinen Führerschein abnehmen. Aber das ist ihm sicherlich lieber als damit leben zu müssen, diesen Irren walten gelassen zu haben.

Der Teufel war hier. Die haben ihm doch gar nichts getan.
Das waren noch Kinder.

„Der Teufel war hier. Die haben ihm doch gar nichts getan. Das waren noch Kinder“, schluchzt eine völlig verwirrte Albanerin in die Kamera, während eine Beistehende versucht, ihr die Tränen aus den verweinten Augen zu wischen.

Die Münchner haben zusammengehalten, nicht nur an diesem Sonntag vor dem OEZ. Sie haben keinen Hass zugelassen. Seit Freitag sind sie alle gleich. Das sollten wir uns alle zum Beispiel nehmen – denn Hass kann man nicht mit Hass besiegen. Das wusste schon Martin Luther King.

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Bilder und Video: Hammed Khamis

Written by Hammed Khamis

Hammed Khamis wuchs in einer westdeutschen Gastarbeitersiedlung auf. Der Streetworker und Journalist ("Ansichten eines Banditen") setzt sich besonders für die Integration Jugendlicher mit Migrationshintergrund ein.

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