A day in the life: Morgens 6 Uhr 30. Der Wecker klingelt, mein Autopilot erwacht und spult das morgendliche Programm ab, wie jeden Tag. Gestern Abend ist es spät geworden, ich habe E-Mails beantwortet. Am Abend davor hatten wir Freunde da. Irgendwie möchte man die ja auch noch unterbringen im Leben. Terminfindung ist ein hartes Business, auch privat. Ich hätte gerne eine Sekretärin. Stattdessen habe ich Familie.

Anziehen, fertig machen, nach den Kindern sehen. Der Sohn diskutiert mit dem Papa, warum er sein Frühstück nicht im Kinderzimmer auf dem Teppich einnehmen darf. Währenddessen heult die Tochter, weil sie den einen rosa Pulli anziehen will, der gerade in der Wäsche ist. Mein eigentlich noch schlafendes Gehirn ist erbost über so viel Ruhestörung, stellt den Autopilot ab und startet mit denkbar schlechter Laune in den Tag. Nach dem Frühstück geht es ab in die Autos – die Kinder müssen in die Schule, der Mann und ich auf die Arbeit.

Die Laune hebt sich im Büro nicht wirklich: Es stehen zwei Meetings an, dazu bin ich mit einem Berg von To Do’s konfrontiert, die ich heute zusätzlich erledigen soll. Einiges ist so dringend, dass es heute passieren muss. Das heißt Überstunden. Zwischen den Meetings telefoniere ich in der Weltgeschichte herum, um jemanden zu finden, der die Kinder rechtzeitig von der Schule abholt.

Durchgetaktet von morgens bis abends,
jedes Quäntchen Zeit organisiert.

Heute Abend wollte ich aufräumen. Dann die Kinder ins Bett bringen. Dann auf dem Sofa einschlafen. Oder ich schaffe es heute ins Bett. Die nächsten Tage sehen genauso aus – durchgetaktet von morgens bis abends, jedes Quäntchen Zeit ist organisiert, jedes Quäntchen Effizienz wird genutzt. Und in den kostbaren, nicht durchgeplanten Zeiten fallen mir dauernd Dinge ein, die ich noch erledigen muss, Sachen, an die ich denken muss. Besonders abends, wenn ich eigentlich zur Ruhe kommen könnte. Im Bett. Oder am Wochenende. Oder beim Spielen mit den Kindern.

Mein Gehirn kommt mir inzwischen vor wie eine Maschine. Es braucht lange, um morgens in Fahrt zu kommen, doch dann rattert und beschleunigt es endlos wie ein Motor und findet kein Ende. Was ich blöd finde. Das einzig Tröstliche daran: Ich bin nicht allein damit: Ähnlich beschleunigende Motoren kann ich überall in meinem Bekanntenkreis beobachten: Alle haben irgendwie dauernd Termine. Ob mit Kindern oder ohne, ob als Single oder in Partnerschaft – irgendwie bekommt man sein Leben schon durchorganisiert. Es ist normal.

 

Beschleunigen Sie noch oder leben Sie schon?

Je mehr man sein Leben durchorganisiert, je schneller und dichter man lebt, desto unfreier wird man. Mit dem Ergebnis, dass einem der Terminkalender irgendwann die Kontrolle über das eigene Leben aus der Hand nimmt. Dann fühlt sich Leben nicht mehr an, als würde man es mit Menschen und Tätigkeiten anfüllen, die wirklich wichtig und wesentlich sind.

Das Dasein wird stattdessen zu einer endlosen Serie von ICH-MUSS, die wir Tag für Tag abarbeiten. Ich muss aufstehen, ich muss was essen, die Kinder müssen in die Schule, ich muss arbeiten, ich muss zum Sport, ich muss ins Bett. Und schon sind wir drin in einem Hamsterrad der Pflichten. Das macht Leben freudlos und anstrengend, bis hin zum Burn-out, der sich in den letzten Jahren auch nicht grundlos epidemisch verbreitet hat.

Wie kann man aus diesem Hamsterrad aussteigen? Es ist gar nicht so schwer!

 

10 Tipps, wie Sie Ihr Leben erfolgreich entschleunigen:

  • Welchen Nutzen ziehen Sie daraus, permanent gestresst zu sein? Vielleicht geben Ihnen viele Termine und viel Arbeit das Gefühl, gebraucht zu werden, etwas Sinnvolles zu tun in Ihrem Leben. Wenn das so ist, warum messen Sie Auszeiten und Ruhe nicht die gleiche Bedeutung bei? Kein Mensch kann auf die Dauer funktionieren, ohne dass er Körper, Seele und Geist auftankt. Wieviel sind Sie wert, ohne etwas dafür tun zu müssen? Wenn Sie nie zur Ruhe kommen können, dann liegt es vielleicht daran, dass Sie sich selbst zu wenig wert schätzen.
  • Wollen statt Müssen: Nehmen Sie sich einen Stift und ein Blatt Papier, schreiben Sie alle Ihre Pflichten, alle ihre ICH MUSS‘s auf, und dann ersetzen Sie sie durch ICH WILL. Wir vergessen oft, dass unsere Realität eine Folge der Entscheidungen ist, die wir fällen. Wenn ich heute die Kinder zur Schule bringen MUSS, dann habe ich mich irgendwann dafür entschieden, Kinder zu bekommen – mit allem, was dazugehört. Ich habe mich auch für diesen Arbeitsplatz entschieden, an dem ich so viele Überstunden machen muss. Und niemand zwingt mich dazu, in diesem Job zu bleiben, wenn ich nicht mehr will.
  • Streichen Sie alle Posten auf Ihrem Blatt, die Ihnen nun, da Sie sie wollen und nicht mehr müssen, überflüssig oder gar absurd vorkommen. Schon ist Ihr Leben ein bisschen mehr entschleunigt.
  • Es ist und bleibt nun mal ein Fakt: Yoga, Meditation, Thai Chi und Co. sind tolle Tools, um zu entschleunigen. Wenn Sie Ihr Leben in hoher Drehzahl leben, dann helfen diese Entspannungstechniken nicht nur beim Abschalten – Sie erhalten auch Ihre Gesundheit.
  • Wer will, findet Möglichkeiten. Wer nicht will, findet Gründe. Eine ganz einfache Wahrheit – auf fast alles anwendbar. Wenn Sie so gerne mehr Zeit für sich hätten, aber nicht können, weil immer wieder stichhaltige Gründe dagegen sprechen, dann fragen Sie sich als erstes in einer ruhigen Minute, ob Sie wirklich, ganz ehrlich und ernsthaft, mehr Zeit für sich haben wollen. Wenn die Antwort „Ja“ lautet, dann finden Sie auch Möglichkeiten!
  • Zeit sollten Sie sich vor allem für Ihr Essen nehmen. Essen Sie mit Genuss – ohne dass der Fernseher läuft oder im Handy gescrollt wird. Essen nährt den Körper und Seele – gönnen Sie beidem dabei ein bisschen Ruhe.
  • A propos Handy: schalten Sie es zwischendurch aus. Auch wenn wir so an unsere elektronischen Hilfsmittel gewöhnt sind, dass wir es kaum glauben können: Die Welt geht nicht unter, wenn Sie einmal für eine oder zwei Stunden nicht erreichbar sind.
  • Gehen Sie, so oft es möglich ist, spazieren. Wenn Sie der sportliche Typ sind, dann joggen Sie. Bewegung draußen, speziell in der Natur hilft uns dabei, wieder in die Gegenwart zurückzukehren, die wir so oft verlassen – spätestens, wenn wir einen Blick in unseren Terminkalender werfen.
  • Hätte/könnte/würde: Mit ungelebten Möglichkeiten oder Fehlern der Vergangenheit zu hadern, führt leider nur zu Frust. Lernen Sie daraus und dann lassen Sie die Vergangenheit hinter sich. Sie können sie nicht mehr ändern. Aber Sie können Ihr Leben ändern – genau jetzt, in dieser Minute!

 

Bild: Unsplash

Written by Michelle Schopen

Michelle Schopen ist seit 25 Jahren in den Medien tätig, zuerst als TV-Aufnahmeleiterin und Autorin, seit 2003 als freie Journalistin zu den Themen Psychologie, Gesellschaft, Kultur und Spiritualität.

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